Diskriminierende Sprache im Studierendenparlement
Auf das Wording achten

Kommentar. Im HoPo-Alltag geht es heiß her und im Eifer des (Wort-)Gefechts können ungewollte Äußerungen fallen – schön ist das nicht.

Es ist erfreulich, dass sich die hochschulpolitische Landschaft im Umgang mit Rechtsradikalismus nicht uneinig ist, auch wenn die Herangehensweise an das Problem nicht von trauter Harmonie geprägt ist. Bei Diskussionen über Neonazis in der Gesellschaft und auf dem Campus können die Emotionen leicht hoch kochen, das ist nur zu verständlich. Doch bei all der politischen Brisanz darf eins nicht geschehen: sich zu sehr im Ton vergreifen. Denn wer diskriminierende Sprache reproduziert, spielt eben jenen in die Hände, die ihr Weltbild durch Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass definieren. Nein, Rechtsradikale sind keine „Spastis“, wie es in der letzten Sitzung des Studierendenparlaments von einer Parlamentarierin zu Protokoll gegeben wurde. Zwar beteuerte die Person ihr diskriminierendes Wording im Anschluss als Fehltritt, doch angesichts der Tatsache, dass das Studierendenparlament – ungeachtet seiner Größe und metapolitisch geringen Bedeutung – ein hohes Haus darstellt, das schon aus seinem Selbstverständnis heraus inklusiv und diskriminierungsfrei sein muss, ist diese Entschuldigung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es bleibt zu hoffen, dass solcherlei Fauxpas die Ausnahme bleibt. Anders wäre es nicht auszuhalten. 

Die Gefahr verkannt

Ein weiteres Problem bei der Nutzung diskriminierender Sprache in Bezug auf Neonazis und RassistInnen ist die Tatsache, dass sie die Bedrohung durch deren Gedankengut verharmlost. FaschistInnen sind keine „Spastis“, sie sind auch nicht dumm oder ungebildet. In den meisten Fällen handelt es sich bei Rechtsradikalen um ideologisch gefestigte Kader mit einem enormen politischen Wissen und der Fähigkeit, dieses Wissen zu nutzen, um ihr menschenfeindliches Gedankengut zu verbreiten. Sie wollen ausgrenzen und Hass verbreiten, im schlimmsten Falle wollen sie töten. Menschen mit Behinderung sind seit jeher Feindbild der extremen Rechten, sie werden als „minderwertig“ und „lebensunfähig“ dargestellt. Die Benutzung diskriminierender, ja sogar menschenfeindlicher Sprache ist daher ein regelrechter Bärendienst im noch immer so notwendigen Kampf gegen Rechts. 

:Justinian L. Mantoan