Burlesques „Theater der Verachteten“ am 9. und 10. November im Musischen Zentrum
Alle Verachtung!
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„Wenn du Arbeit suchst, bist du im Theater falsch.“ Triops (Rico Großer, l.) führt  Maus (Billy Valentine) in die Truppe ein. - Foto: mar
„Wenn du Arbeit suchst, bist du im Theater falsch.“ Triops (Rico Großer, l.) führt Maus (Billy Valentine) in die Truppe ein.

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, dachte sich wohl nicht nur Goethes Mephisto, sondern auch Nathanael Ullmann. So beschloss der Theatermensch, seinem allzu grauen Studium der Theaterwissenschaft eine gehörige Portion Farbe hinzuzufügen. „Theater der Verachteten“ ist die zweite Aufführung des Ensembles ToM – Theater ohne Mittel und bringt am 9. und 10. November im Musischen Zentrum (MZ) der RUB bunt und ganz schön sexy die Frage auf den Tisch, „wie weit man mit dem Schauspiel gehen kann“ (Ullmann).

Bereits mit ihrem ersten Stück, „Regenschauer“, das im vergangenen Semester seine Premiere feierte, experimentierte das ToM mit der Form des Theaters und kombinierte Bühnenschauspiel und Filmszenen miteinander. Das neue Stück, „Theater der Verachteten“, bei welchem Nathanael Ullmann für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, beschäftigt sich seinerseits selbst mit dem Medium Theater. Es ist ein Stück über die unschuldige Maus (gespielt von Billy Valentine), die Aufnahme sucht in einer Theatergruppe, die nur aus Frauen besteht. Doch für die „berechenbar unberechenbare“ Ratte (Jasmin Pawlak) und Raupe (Nicki Funk), die die meiste Zeit im Rollstuhl sitzt, und die anderen Gruppenmitglieder scheint das Schauspiel mehr als nur ein Spiel zu sein. Und dann steckt in einer der Frauen aus dem Stück im Stück auch noch ein Mann (Rico Großer).

Das Geheimnis sind die Ärzte, die Pause machen

Über die Handlung des Stücks hüllen sich die Mitglieder des Theaters ohne Mittel weitgehend in Schweigen. „Es geht um Manipulation“, sagt Rico Großer, als „Gegenentwurf zu ‚Regenschauer‘“ sieht der Regisseur sein Werk, und Regieassistentin Nina Möller verortet das Stück im Stück zumindest als „eine Liebesgeschichte“, als „etwas zwischen klassischem und modernem Theater“. Jedenfalls stecke ein „gutes Konzept“ hinter dem Ganzen, sagt Jasmin Pawlak, weswegen wohl die gesamte „Regenschauer“-Crew auch diesmal wieder dabei ist und sogar noch um vier weitere MitstreiterInnen verstärkt wird. Ein ganz großes Geheimnis um ihre Bedeutung für das Stück machen Fabian May, Fabian Aghte, Sebastian Hildebrand und Stefan Beumler um ihre Rollen als Ärzte. „Die Ärzte sind das geheime Kittmittel des Stücks“, hört man hier; sie seien „das Gimmick für die Zuschauer“, heißt es dort. Und Stefan wird noch geheimnisvoller: „Die Ärzte haben in Wirklichkeit das Sagen hier, alle hören auf sie. Aber eins der Highlights des Stücks ist, wenn die Ärzte Pause machen.“ Mehr ist aus den vier Doktoren nicht herauszuholen: „Ärztliche Schweigepflicht“, sagen sie und grinsen.

„Die beste Entscheidung meines Lebens“

Nathanael Ullmann hat als Autor und Regisseur eine Vorstellung von seinem Projekt. Es ist entstanden aus dem Frust über das „vertheoretisierte“ Studium an der Ruhr-Uni. „Dafür habe ich nicht angefangen, Theaterwissenschaft zu studieren“. Zum Glück gibt es die Studiobühne des Musischen Zentrums, wo der mangelnde Praxisbezug im Studienverlaufsplan ausgeglichen werden kann. „Das Theater ohne Mittel zu gründen war die beste Entscheidung meines Lebens“, gibt der Hutträger zu.

Gereift ist das „Theater der Verachteten“ aber erst während des Probenprozesses. Viele Inszenierungsideen wurden mit der ganzen Truppe ausgearbeitet, die Impulse kamen oft auch von den SchauspielerInnen. Besonders aber verleihen die DarstellerInnen ihren Rollen erst ein Profil, Fülle und Hintergrund. „Manchmal glaube ich, die Schauspielerinnen und Schauspieler sehen ihre Rollen ganz anders als ich“, erzählt der Regisser, der über diesen Umstand anscheinend ganz dankbar ist. Mit jeder Interpretation des Stücks – und davon scheint es mindestens so viele wie ToM-Mitglieder zu geben – gewinnt das Theater ums Theater an Dimension und Tiefe.

Vier Mal (teurer als) ohne Mittel

Das „Theater der Verachteten“ ist in der Produktion vier Mal teurer als das erste ToM-Projekt. Schon vor Wochen zum Beispiel mussten die Plakate finanziert werden, die das Stück auf dem Campus „geteasert“ haben, wegen ihrer schlüpfrigen Zweideutigkeit aber nicht ganz unumstritten waren. Theater ohne Mittel heißt aber nicht einfach ohne Geld – es steht auch dafür, dass es keinen Mittelweg gibt. Ganz oder gar nicht: Statisten gibt es bei ToM nicht. Darüber hinaus steht der Name auch dafür, erklärt Nathanael, dass es bei den ToM-Aufführungen „keine Mittelchen, keine Tinkturen“ gebe, hinter den Rollen echte Personen stecken. Und das sind fast alles Studis von der RUB. Theater zum Anfassen sozusagen.

Einen ersten fulminanten Kontakt kann man am kommenden Wochenende, am 9. und 10. November um 19:30 Uhr wagen. Der Eintritt ist frei – ohne Mittel eben.
 

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