:bsz-Interview mit dem „Unterstützungskreis Politikverbot“ - Teil 1
„Mit den explizit politischen Gruppen anfangen“
Karikatur: kac
So kann sie aussehen: Die unpolitische Uni. Karikatur: kac
So kann sie aussehen: Die unpolitische Uni.

Auf keine Widerstände gestoßen: So schätzen Jens und Tim vom „Unterstützungskreis Politikverbot“ die bisherige Resonanz ihrer Flugblattverteilung  ein, mit der sie die Vertreibung aller politischen Strukturen auf dem Campus fordern. Wir sprachen mit ihnen über Linksextremismus, Bücherverbannung und die taktische Wichtigkeit eines langsamen Bewusstseinsprozesses.

:bsz Nach Eurer Verteilaktion fragten sich viele, was ist das für ein Unterstützungskreis?

Tim: Wir sind eine Gruppe von Menschen mit verschiedenen Hintergründen, die sich für ein Verbot jeder Form von Politik an der Ruhr-Uni einsetzen. Bedeutsame Ziele von uns sind die Exmatrikulation oder Entlassung politisch aktiver Studierender, Mitarbeiter und Professoren, wenn sie ihre politische Tätigkeit nicht einstellen.

Und Ihr wollt besser unerkannt bleiben?

Jens: Ja. Und keine Fotos bitte, das wäre auch gut.                                             

Tim: Wir wissen ja nicht, wie weit wir gehen können und was die linksextremistischen Gruppen auf dem Campus tun würden …

… weil Ihr ja auch ein Verbot vieler linksextremistischer Gruppen auf dem Campus fordert?

Tim: Unser Ziel ist die Verdrängung von Politischem allgemein. Nur ist das etwas, was man nicht von einem Tag auf den anderen erreichen kann. Ich sag mal, Nawi oder Gewi geben sich ja dezidiert unpolitisch und wollen nur Interessenvertretungen der Studierenden sein. Da gibt‘s dann sicher Gruppen, wo der Schuh dann erst mal mehr drückt: Also, so was wie die GHG. Einige Gruppen geben sich ja explizit politisch und da muss man anfangen.

Die grüne Hochschulgruppe zu verbieten, wäre natürlich eine Kleinigkeit, aber Ihr fordert auch die Abschaffung von Gremien oder Institutionen wie der sozialwissenschaftlichen Fakultät …

Jens: … die sozialwissenschaftliche Fakultät zu schließen, ist natürlich sehr langfristig. Ich denke, an dem Punkt wird es dann auch Widerstände geben. Auch dann die politischen Bücher aus den Unis zu beseitigen –  das sind einfach sehr langfristige Ziele. Und das ist kontinuierliche Arbeit. Aber wie gesagt, gerade der fehlende Widerstand gibt uns Energie, um zu sehen, dass es heutzutage zumindest nicht auf Probleme stößt.

Und bei der Bücherverbannung sieht die Taktik ähnlich aus? Erst die Werke von Marx, Adorno und Co. beseitigen und dann den Rest?

Jens: Erstmal die Leute zu nehmen, die als extrem gelten und denen die Bücher aus den Bibliotheken raus zunehmen, ist ja auch erst mal gut, damit so ein langsamer Gewöhnungsprozess stattfindet. Dann immer weiter so, bis irgendwann das, was als bürgerliche Mitte gilt, auch verboten ist.

Tim: Aufgrund der ganzen 68er-Geschichte findest Du die ganzen linksextremistischen Sachen schon eher hier, aber wenn wir jetzt einen Gedichtband von Moritz Arndt finden, dann kann der auch raus. Wir legen uns nicht auf einen Extremismus fest.      

:Benjamin Trilling

Teil 2 des Interviews: „Eine Anti-Politik-Patrouille aufstellen“

Teil 3 des Interviews: „Zu einem ‚Aktiv-unpolitisch-Sein‘ übergehen“