Das große Tanzlexikon: Die Entstehung eines Nachschlagewerkes mit Studi-Beteiligung
„Mehr als nur europäischer und amerikanischer Bühnentanz“
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Stolz auf das Lexikon: RUB-Theaterwissenschaftlerin Monika Woitas mit dem umfangreichen Nachschlagewerk. Foto: lux
Stolz auf das Lexikon: RUB-Theaterwissenschaftlerin Monika Woitas mit dem umfangreichen Nachschlagewerk.

Pünktlich zum Jahr des Tanzes 2016 erschien im Laaber-Verlag am 4. Februar das erste deutschsprachige Tanzlexikon seit rund 30 Jahren. Das Besondere? Von den 85 AutorInnen stammen 16 aus studentischen Reihen. Im Rahmen eines Projektseminars hatte Dr. Monika Woitas, eine der Herausgeberinnen, Studierende der Theaterwissenschaft dazu eingeladen, sich an der Entstehung des Werkes zu beteiligen. Die :bsz sprach mit ihr über den Prozess. 

Viereinhalb Jahre dauerte es von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt: „Das große Tanzlexikon: Personen – Werke – Tanzkulturen – Epochen“, das sich mit dem Phänomen Tanz weltweit beschäftigt, von der Antike bis heute – in 756 Seiten mit 145 Abbildungen. Neben Ballett und Pina Bausch finden sich dort Einträge wie Square Dance, Michael Jackson oder Pygmäen. „Tanz ist wesentlich mehr als nur europäischer und amerikanischer Bühnentanz“, betont Woitas. Deshalb habe man sich bemüht, möglichst viele Facetten zu beleuchten – ohne Trennung in Hoch- und Unterhaltungskultur: „Alles wird gleichberechtigt, ernsthaft und objektiv dargestellt und behandelt“.

Das gilt auch für die Mitwirkenden: „Wir haben die ganze Bandbreite gehabt – von Studierenden bis hin zu international renommierten KollegInnen aus unterschiedlichsten Fachbereichen.“ Dabei wären die Studierenden „genauso behandelt worden wie die anderen Autoren auch“: Sie haben einen Vertrag vom Verlag bekommen und waren an Fristen und Vorgaben gebunden.

Ergebnis eines Projektseminars

„Nachdem die Anfrage vom Verlag kam, habe ich beschlossen, dass man ein schönes Begleitseminar machen könnte“, erzählt Woitas, die zusammen mit Annette Hartmann das Tanzlexikon herausgegeben hat. Dies sei ihren bisherigen positiven Erfahrungen mit anderen Projekten unter Mitwirkung von Studierenden geschuldet. 

Bereits im Wintersemester 2011/12 fand das Seminar statt, da es ihr wichtig war, die Studierenden von Beginn an mit einzubeziehen. Die Diskussionen im Seminar habe sie als fruchtbar erlebt; es seien sogar neue Artikelideen entstanden. Drei Viertel der SeminarteilnehmerInnen hätten am Ende auch Artikel beigesteuert – einige sogar in größerem Umfang. „Es macht eben einen Unterschied, ob ich es für ein echtes Lexikon mache oder so tue, als würde ich ein Lexikon erarbeiten“, erklärt Woitas. 

Die Zusammenarbeit mit den Studierenden sei „unkompliziert“ gewesen; dabei seien schöne Artikel entstanden, „aus denen man selber auch Neues gelernt hat“. Einige Studis hätten sogar bessere Artikel abgeliefert als manche Fachleute: „Da waren einige dabei, die wirklich Spezialisten in ihrem Bereich waren und es endlich mal zu Papier bringen konnten.“ Positiv fiel auch auf, „dass sich einige in Sachen eingearbeitet haben, von denen sie vorher keine Ahnung hatten.“ Ein persönliches Highlight war für sie, dass einige Studis als „Nothelfer“ auch zwei Jahre nach Ende des Seminars noch eingesprungen sind und Artikel übernommen haben. 

Ihr Fazit: „Projekte mit Studierenden? Immer wieder! Kann ich nur empfehlen – für beide Seiten!“ RUB-Studi-Autorin Frauke Daum bestätigt das: „Es war toll, Teil dieses Buchprojektes gewesen zu sein und sich mit den unterschiedlichsten Formen von Tanz beschäftigen zu können.“          

INFOBOX

Annette Hartmann / Monika Woitas (Hg.): „Das große Tanzlexikon. Personen – Werke – Tanzkulturen – Epochen“.  774 Seiten, 98 Euro

:Stefanie Lux 

 
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