Maskenpflicht im Unterricht?
„Jetzt komme ich mir richtig verarscht vor“
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Am vergangenen Donnerstag verkündete Ministerpräsident Armin Laschet die Abschaffung der Maskenpflicht im Schulunterricht.

Schulbetrieb. Drei Wochen nach Wiedereröffnung der Schulen hebt die Landesregierung die Maskenpflicht im Unterricht auf – in den Schulen wird auch Unverständnis und Widerspruch geäußert. 

Nachdem die Schulen in Nordrhein-Westfalen am 12. August im Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen wieder öffneten, zeichnen sich erste Bestandsaufnahmen über die Rückkehr zu einer Präsenzlehre und bereits neue politische Entscheidungen ab. So verkündete Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag, dass die Maskenpflicht während des Unterrichts für Schüler:innen und Lehrer:innen an weiterführenden Schulen nicht mehr über Montag, den 31. August hinaus verlängert werde, auf dem Schulgelände bleibe sie aber bestehen. NRW stellte mit der Maskenpflicht im Unterricht eine Ausnahme unter den Bundesländern dar; die Aufhebung derselbigen wird nun mit dem zurückgegangenen Anteil NRWs an den Neuinfektionen gerechtfertigt. Auch Bedenken, die das soziale Miteinander und das Wohlbefinden der Schüler:innen betreffen, sowie vereinzelte Klagen gegen die Maskenpflicht hatte es gegeben. Vorrangig werden nun jedoch Sorgen über die Abschaffung und klare Stimmen dagegen laut.
„Es bleibt ein schwieriges Thema, aber jetzt komme ich mir zum ersten Mal richtig verarscht vor. In allen Gebieten wird die Maskenpflicht angezogen und ihre Wichtigkeit betont, aber in der Schule ist es plötzlich egal“, führt eine Lehrerin an einer Gesamtschule in Essen-Borbeck im Interview mit der :bsz aus. Besonders in Hinblick auf den nahenden Winter und den Mangel an angepassten, spezifischen Konzepten, sorgt sie sich und zieht in Betracht, dass einige Lehrkräfte, die beispielsweise Risikogruppen angehören, ohne Maskenpflicht keinen Unterricht mehr geben könnrn. Aufgrund einer chronischen Einschränkung muss auch sie sich mit dieser Möglichkeit auseinandersetzen, obwohl sie selbst sogar in Zeiten des Kleingruppen-Unterrichts nach dem Lockdown noch weiterunterrichtet hat: „Die meisten Lehrer, ich auch, wir wollen wirklich gerne arbeiten. Und ich sehe, wie wichtig es für die Kinder ist, in der Schule zu sein“. Als Deutschlehrerin sei ihr und Kolleg:innen der viele Unterrichtsausfall vor den Sommerferien besonders bei den jüngeren Kindern aufgefallen; viele könnten sich nun viel schlechter konzentrieren und ausdrücken. Im Kollegium hätte man jedoch auch den Eindruck bekommen, dass Eltern wie Schüler:innen die Maskenpflicht zum Großteil bereitwillig annahmen; Proteste gab es keine und nach einem etwas befremdlichen ersten Tag sei auch schnell ein normaler Schulablauf entstanden. Die Schule in Essen ist nicht die einzige, die der Maskenpflicht zugeneigt scheint: Die Gustav-Heinemann-Gesamtschule, ebenfalls in unserer Nachbarstadt, gab beispielsweise bereits bekannt, dass sie die Pflicht zumindest bis zu den Herbstferien verlängern werde, da ein Einhalten des Mindestabstandes in den Klassenräumen nicht möglich sei. Laut unserer Quelle haben sich außerdem bereits einige Schulleitungen NRWs zusammengeschlossen, um Konzeptkonkretisierungen aus Düsseldorf einzufordern, ansonsten stehe auch eine Verweigerung im Raum. „Das ist natürlich ziviler Ungehorsam, was dabei herauskommt, muss man sehen“, so die Gesamtschullehrerin: Als Konzeptmöglichkeiten, die im Falle einer Aufhebung der Maskenpflicht greifen könnten, nennt sie eine erneute Teilung der Gruppen oder extra Online- und Präsenztage. Unter anderem auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und Gesundheitsexpert:innen wie Christiane Thiele als Landesvorsitzende des Bundesverbands Kinder- und Jugendärzte, kritisieren eine unvorsichtige, weil alternativlose Abschaffung der Maskenpflicht. Die kaum spezifischen bis fehlenden Hygiene- und Digitalisierungskonzepte für Schulen, begleitet von „zeitloseren“ Missständen, wie Platz- und Ausstattungsmangel oder Chancenungleichheit, werden in der Corona-Krise derweil schon länger angeprangert.      

  :Marlen Farina