Polyluces drängen auf die Studiobühne der RUB am 18. und 19. Januar
Von Geräten und Menschen
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 „Hast Du Dich nicht auch schon immer gefragt, welches Geschlecht ein Overheadprojektor hat, oder was sie machen, wenn niemand dabei ist?“, fragt Caroline Königs. Foto: kac
„Hast Du Dich nicht auch schon immer gefragt, welches Geschlecht ein Overheadprojektor hat, oder was sie machen, wenn niemand dabei ist?“, fragt Caroline Königs.

Am Wochenende, dem 18. und 19. Januar, führt die Theatergruppe Spielwut im Musischen Zentrum das Stück „Sinn und Unsinn – Die homoerotischen Polyluces – Ein ultradramatisches Theaterstück über das ‚Leben in 11 Bildern‘“ von Caroline Königs auf.

Was sind Polyluces, bzw. was ist ein Polylux? Menschen, die im Osten Deutschlands aufgewachsen sind, können diese Frage noch heute sicher beantworten. Hier im Ruhrgebiet tun wir uns dagegen etwas schwerer damit. Es sind die langsam in Vergessenheit geratenen Tageslichtschreiber oder Overheadprojektoren, die diese Woche neu ins Leben gerufen werden sollen. Dabei scheint es ungewöhnlich, diesen ein ganzes Stück zu widmen. „Es geht eher um das Wort Polylux. Beiläufig erwähnte Caro, die in Sachsen-Anhalt aufgewachsen ist, diesen Begriff und niemand konnte ihr folgen“, wie sich Felicitas Friedrich, die die Rolle der Dienerin im Stück einnimmt, zum Ursprung der Konzeption äußerte. Sie war so begeistert von der Bezeichnung, dass sie Caroline Königs ermutigte, ein Theaterstück darüber zu schreiben, welches in beeindruckenden vier Monaten fertiggestellt werden konnte. „Es sind skurrile Menschen, die durch die Suche nach einem Wahrsager oder nach einem Bruder, letztendlich alle aufeinandertreffen werden“, verrät die junge Autorin vorab. „Hast Du Dich nicht auch schon immer gefragt, welches Geschlecht ein Overheadprojektor hat, oder was sie machen, wenn niemand dabei ist?“, fragt Caroline Königs

Crème Brûlée ist nicht nur ein Pudding

In einem Dorf leben der Edelmann Crème Brûlée (Dirk Neugebauer) und die feine Dame L‘inspiration du Cœur (Malin Arend), als eines Tages ihre Dienerin mit der Neuigkeit aufwartet, dass Polyluces in ihr Dorf einwandern würden, worauf es beide mit der Angst zu tun bekommen. Sie empfinden die Polyluces als Bedrohung, die womöglich mit der Absicht kommt, die Menschheit zu ersetzen. Um die neu entstandene Situation im Dorf wissenschaftlich fundiert zu dokumentieren, taucht eine Forscherin der sogenannten „Polylucologie“ auf.
Es scheint sich der klassische Kampf zwischen Gut und Böse, dem Heldenhaften und dem Niederträchtigen zu entflammen: Franz Ruprecht (Nicolas Martin), ein Schurke wie aus dem Bilderbuch, betritt die Bühne, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Gehört er damit auch zu den gefürchteten Polyluces? Da sich ihm anfangs niemand entgegenzustellen traut, weder Créme Brûlée, noch L‘inspiration du Cœur, noch die geheimnisvolle Jony-Pony (Caroline Königs), sieht alles nach einem reibungslos funktionierenden Unterfangen aus.
Eine letzte Hoffnung, die jedoch etwas fragwürdig erscheint, stellt Franz‘ Bruder Roudriguez (Moritz Mittelberg-Kind) dar. Ein moderner Superheld – der aus dem Marvel-Universum hätte entsprungen sein können – mit maskiertem Gesicht, der Unterhose lieber über der Kleidung als darunter trägt und seinem Kryptonit – eine ausgeprägte Schwäche für attraktive Stuhldamen. Können die Dorfbewohner einem solchen Helden trauen?

Wird er ausgerechnet den Menschen, die seine bedingungslose Liebe zur Stuhlschönheit Joanita nicht tolerieren, helfen, und zudem seinen gefährlichen Bruder aufhalten und zur Besinnung bringen können? Ist Blut dicker als Wasser, oder entbrennt ein Kampf zwischen Brüdern? Ist die Liebe letztlich die wahre Macht, die alles (klassischerweise) zu besiegen imstande ist, obwohl es sich hier um die Gefühle zwischen zwei so unterschiedlichen Parteien handelt, einem fleischigen Mann und dem hölzernen Einrichtungsgegenstand? Intrigen, Verschwörungen, Hass und Verrat überhäufen das einst so beschauliche Dorf.

Gesellschaftskritischer Unterton: Auch Blöde dürfen leben

Die Autorin verarbeitete in diesem Stück einen Streit mit dem Theaterleiter ihrer ehemaligen Essener Theatergruppe und verband es mit dem charmanten Aspekt der im Ruhrgebiet unbekannten Bezeichnung des Polylux. „Das Theaterstück hat einen ernstzunehmenden Unterton. Der Polylux steht als Symbol für Diskriminierung von Randgruppen, wie z. B. von Homosexuellen oder verschiedener Ethnien“, erklärte Caroline Königs, die zusammen mit Susanne Goldmann auch Regie führt. Mit einem Lächeln, aber ernstem Blick, verriet Königs die Kernaussage ihres Werks: „Auch wenn Du jemanden blöd findest, solltest Du ihn/sie nicht umbringen.“

Mysteriöses Sponsoring

Die Regisseurin möchte unbedingt Folgendes loswerden: Der Verbund der Philosophischen Feen hat die Theatergruppe Spielwut bei ihrer Inszenierung ausgiebig mit ihrem Qualitätsoriginal-Philosophenstaub beliefert und ist somit der Hauptsponsor dieser Produktion. Was es damit auf sich hat, werde sich im Stück zeigen.

Die Eintrittskarten können entweder per E-Mail an caroline.koenigs@rub.de oder über die Facebook-Veranstaltung folgenden Namens reserviert werden:

Spielwut präsentiert: „Sinn und Unsinn – Die homoerotischen Polyluces – Ein ultradramatisches Theaterstück über das Leben in 11 Bildern“ (Deutsche Originalversion von Caroline Königs) – am 18. & 19. Januar 2014 jeweils ab 19:30 Uhr im Musischen Zentrum der RUB!

Der Eintritt ist frei.
 

Ein Polylux im Urlaub. Foto: kac
Nicht nur Menschen sind Alkoholvernichtungsmaschinen. Foto: kac