Ausstellung: „Zwischen Abenteuer und Provokation - Peter Zadek und das Schauspielhaus Bochum“
Vom radikalen Theatermacher zum Exponat der Theatergeschichte
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Arbeite und spiele: Zadeks Schreibtisch. Foto: as
Arbeite und spiele: Zadeks Schreibtisch.

IntendantInnen-Namen  prägen sich meist kaum in die kollektive Erinnerung einer Stadt ein. Nicht so bei Peter Zadek und Bochum. Als der damals 46-Jährige 1972 den IntendantInnen-Posten antrat, schmiss er erst einmal alles um, holte das Theater in die Stadt und verbannte den angestaubten Mief. Ein Stück Stadt- und Theatergeschichte, das jetzt in einer vielschichtigen Ausstellung im Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte zu sehen ist.

Ende der 60er und Anfang der 70er war Bochum noch eine rußige ArbeiterInnenstadt und nichts deutete darauf hin, dass hier bald Theatergeschichte geschrieben werden würde. Als Hans Schalla nach dreiundzwanzig Jahren als Intendant abtrat, hinterließ er ein abgetakeltes Haus mit großem Namen. Gleichzeitig tingelte Peter Zadek durchs Land. Zwar hatte er sich bereits einen Namen als Regisseur machen können, aber zum IntendantInnenposten hatte es noch nicht gereicht. Damit zusammenkam, was zusammenkommen musste, brauchte es einen unaufgeregten Kulturreferenten und einen Telefonanruf. In seiner Autobiografie „Die heißen Jahre“ beschreibt Peter Zadek das Gespräch: ‚Wir würden Sie doch gerne mal kennenlernen, Herr Zadek‘, sagte Richard Erny mit Ruhrpott-Tonfall am Telefon, ‚würde Sie Bochum interessieren?‘ ‚Das würde mich schon interessieren‘, sagte ich und dachte, Bochum, was ist denn das nun (…)?“

Skandal und Suppe

Zadeks „Bo-Konzept“ zielte dann darauf ab, dass das Theater nicht mehr nur eine rein bürgerliche Abendveranstaltung war, sondern Teil der Stadt und ihrer ,normalen‘ BürgerInnen. Beim Mittagstheater zum Beispiel servierte die Schauspielgröße Tana Schanzara Suppe, während kurze Stücke für die Mittagspause gezeigt wurden. Mit seiner radikalen Auseinandersetzung mit den Theatergöttern Ibsen, Tschechow und natürlich Shakespeare machte er Bochum schnell zu einer festen Größe innerhalb der Theaterszene.

Kuratorin Petra Biederbeck und Archivarin Ursula Jennemann-Henke lassen in nur zwei kleinen Räumen diese Umbruchszeit aufleben. Die schiere Fülle der Exponate, die sie auf so kleinem Raum unterbringen, ist allein schon erstaunlich. Von Theaterplakaten über Regiebücher, Fotos, Zeitungsartikel bis hin zu Skizzen von Bühnenbildern – jeder Schnipsel Zadek wurde aus dem Stadtarchiv Bochum gefischt. Die Ausstellung hangelt sich an den Zadek-Stücken entlang, erläutert die Hintergründe, erzählt Theateranekdoten und beschreibt die Skandale; schließlich trauerten auch genug ihrem (bürgerlichen) Theater hinterher. Ganz nebenbei vermittelt die Ausstellung so auch ein Stückchen Gesellschaftsgeschichte.

Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte
Wittener Str. 47, Bochum

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag:
10:00 bis 18:00 Uhr
Samstag und Sonntag:
11:00 bis 17:00 Uhr

Eintritt frei