Düsseldorfer Kunstakademie lud zum Rundgang
Viel Kunst für kein Geld
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In der Klasse von Franke Hörnschemeyer trafen Bildkunst, Bildhauerei und Installationen aufeinander: Willkommen an der Kunstakademie Düsseldorf. Bild: lor
In der Klasse von Franke Hörnschemeyer trafen Bildkunst, Bildhauerei und Installationen aufeinander: Willkommen an der Kunstakademie Düsseldorf.

Werkschau. Menschen unter Wasser und Schweinelungen: Dass Kunst mehr ist als Aquarellfarbe auf Leinwand, zeigten vergangene Woche Studierende der Kunstakademie Düsseldorf im Rahmen ihres alljährlichen Rundgangs. 

Der Raum im Erdgeschoss des Neorenaissance-Gebäudes ist abgedunkelt. In der Mitte: ein gläserner Kasten, der den Blick freigibt auf zwei mehr oder weniger intakte Lungenflügel. Diese pumpen dank einer mechanischen Vorrichtung unablässig Luft. Es handelt sich hierbei um die Lungen eines Schweines. Der Effekt bleibt nicht aus: Die teils faszinierten, teils entsetzten 

BesucherInnen können nicht ihre Blicke von der von Student Kilian M. Heindl installierten Lunge lassen. Willkommen in der Kunstwelt!

Eine Woche lang konnten Interessierte, Laien und Fachpublikum die Werke von 550 Studierenden verschiedenster Klassen betrachten. Im Mittelpunkt standen die Arbeiten aus den verschiedenen Bereichen: Malerei, Bildhauerei, Video, Baukunst, Fotographie und Performance. Letztes Jahr verzeichnete die Akademie über 48.000 BesucherInnen. Der Eintritt ist wie jedes Jahr frei. 

Kunst entfalten

„Der Rundgang ist der Moment der Öffentlichkeit“, erklärt Hedda, die in der Klasse Andreas Gursky ist und sich vornehmlich mit Film sowie Fotographie auseinandersetzt. Auf diesen bereiten sich die einzelnen Klassen allerdings unterschiedlich vor: Während die einen ein Konzept für die jeweiligen Klassenräume entwickelten, würden andere „kurz auswischen“. Dies hänge mit der Dynamik zwischen Studierenden und ProfessorInnen zusammen. So hat sich beispielsweise die Klasse von Bildhauer Martin Gostner dazu entschieden, gemeinsam Druckgraphiken zu zeigen. Diese sind bereits Teil einer Ausstellung im Künstlerhaus Dortmund gewesen. „Ich habe einen Teppich aus Papier gewebt“, erklärt Studentin Almud. 

Für Hedda ist der Rundgang gerade interessant, weil dieser „verrückter ist als woanders“. Der Grund: „Es [die Akademie, Anm. der Redaktion] ist ein sehr spezieller Ort, weil man noch nicht so Künstler sein muss. Wir sind noch nicht dem wilden Westen der Kunstwelt ausgesetzt. Hier ist noch so ein Ort, wo es nicht drauf ankommt. Das gibt sehr viel Freiheit und wenig Druck.“

Diversität 

Welche Formen diese Freiheit annehmen kann, zeigen die verschiedenen Werke der Studierenden. So rückt Abschlussschülerin Meral Alma in ihren Arbeiten den Menschen in all seiner Buntheit in den Vordergrund und zeichnet dabei ein durchaus positives Bild in ihrer Ausstellung „Zirkus des Lebens. Verwandlung.“ Wie der Mensch unter Wasser lebt, zeigen hingegen Marcus Biermann und Tomas Kleiner in ihrer Abschlussarbeit „Unter Wasser – Lebensentwurf“. Ihr Labor: ein ganz normales Wohnzimmer – in einem mit Wasser gefüllten Container am Eingang der Akademie, samt Fernseher und Büchern. Trocken, aber ebenso gut besucht, sind die Räumlichkeiten des scheidenden Fotografen Andreas Gursky: Neben Fotos und Videoinstallationen schallt in regelmäßigen Abständen ein durchdringender Glockenschlag durch diesen und alle umliegenden Räume. 

Die Kunstakademie Düsseldorf ist eine der renommiertesten Akademien Deutschlands. Jährlich studieren circa 500 Studierende in den Räumlichkeiten am Rhein. Zu den bekanntesten AbsolventInnen gehören unter anderem Günter Grass, Joseph Beuys, Andreas Gursky und Heinz Mack. 

:Andrea Lorenz