Thyssen plant den Abbau von 6000 Stellen
Thyssen-Tata-Fusion geplatzt – 6.000 Jobs gefährdet
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Kein Sonnenschein für die Miartbeiter*innen: ThyssenKrupp baut Stellen ab.		           			               Bild: bena
Kein Sonnenschein für die Miartbeiter*innen: ThyssenKrupp baut Stellen ab.

Wirtschaft. Die Fusion zwischen dem deutschen Stahlkonzern ThyssenKrupp und Tata Steel ist geplatzt. Jetzt plant Thyssen den Abbau von 6.000 Stellen, davon 4.000 in Deutschland.

Im September 2017 verkündete der Essener Industriekonzern die Pläne zum Joint Venture mit dem Konkurrenten Tata Steel, bereits damals hieß es, 2.000 Stellen würden wegfallen (:bsz 1147). Die bereits damals stark umstrittenen Pläne wurden nach mehreren Schwierigkeiten am Freitag, 10. Mai, ebenso wie die seit langem geplante Aufspaltung von Konzernseite abgesagt. Man rechne nicht mehr mit der Genehmigung der Fusion durch die EU-Kommission, so Vorstandsvorsitzender Guido Kerkoff. Mit dem Platzen der Pläne sind auf einen Schlag weltweit 6.000 Stellen gefährdet, davon alleine 4.000 in Deutschland. „Das sind 2000 mehr als die Stahlfusion gekostet hätte“, teilte Kerkhoff mit und Arbeitsdirektor Oliver Burkhard nannte die nun bevorstehende Situation einen „echt tiefgreifenden Einschnitt“. Bei der Gewerkschaft IG Metall fürchtet man nun betriebsbedingte Kündigungen, denn ein eigens für den Fall der Fusion mit Tata ausgehandelter Tarifvertrag, der eine Beschäftigungsgarantie bis September 2026 beinhaltete, tritt nun nicht in Kraft. Doch trotzdem gibt sich die IG Metall kämpferisch: „In der Stahlindustrie hat es noch nie betriebsbedingte Kündigungen gegeben. Und das soll auch so bleiben“, so der nordrhein-westfälische IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“. Via Twitter meldete sich Burkhard zum Thema Kündigungen zu Wort: „Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir vermeiden, sind aber in Ausnahmen (ultima ratio) möglich.“

Neue Pläne

Nachdem die Erneuerung des Konzerns gescheitert ist, plant Kerkhoff, aus dessen Feder der Aufspaltungsplan in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und Industriegüter stammt, stattdessen die lukrative Aufzugsparte des Unternehmens an die Börse zu bringen. Hierdurch sollen bis zu 7 Millarden Euro eingenommen werden. Vonseiten der Arbeiter*innenvertretung bei IG Metall will man diese Pläne unter der Prämisse unterstützen, dass alle fünf Sparten des Unternehmens Perspektiven geboten würden, betont IG Metall-Sekretär Markus Grolms. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von
ThyssenKrupp Steel Europe (TKSE), Tekin Nasikkol, ist über das Scheitern der Stahlfusion nicht bestürzt: „Das geplante Joint Venture war kein Wunschkonzert der Arbeitnehmer.“ Trotzdem wolle man an langfristigen Plänen zur Sicherung von Arbeitsplätzen festhalten: Auf die Sorgen und Ängste der Beschäftigten haben wir mit dem Tarifvertrag Zukunft die richtigen Antworten gefunden.“ Diese langfristigen Pläne strebt die IG Metall auch jetzt für die Beschäftigten des Konzerns an.

Reaktionen
Nasikkol begrüßt den Erhalt des Konzerns und somit auch der gesetzlich geregelten Montanmitbestimmung, welche vom Konzern 2017 in Frage gestellt wurde und Burkhard betont, dass man gemeinsam mit der Belegschaft nach Lösungen suche: „Wir wollen die Veränderungen mit und nicht gegen die Mitarbeiter.“ NRW Wirtschaftsminister Pinkwart (FDP) ließ verlauten, dass man in den kommenden Monaten besonders darauf achte, dass die Interessen des Standorts NRW sowie der Mitarbeiter*Innen gewahrt werden.

:Justin Mantoan