Neuer Polizeipräsident in Bochum
Reuls Hardliner
Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en
Neuer Mann an der Uhlandstraße: Lukat ist der falsche Mann für Bochum. Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en
Neuer Mann an der Uhlandstraße: Lukat ist der falsche Mann für Bochum.

Kommentar. Mit Jörg Lukat kommt Innenminister Reuls Wunschkandidat als Polizeipräsident nach Bochum. Seine Vita ist fragwürdig.

Jörg Lukat ist in Polizeikreisen kein Unbekannter. Er hatte in seiner Karriere fast alle relevanten Bereiche innerhalb der Polizei beackert. In Bochums östlicher Nachbarstadt war er von 2001 bis 2006 Leiter des polizeilichen Staatsschutzes. Sein Aufgabenbereich umfasste also auch die Überwachung der Neonaziszene. Besonders gut machte er seine Aufgabe dort nicht, so konnte die rechtsradikale Szene in Dortmund zwei Menschen ermorden: 2005 erstach der noch immer in der Szene aktive Sven Kahlin den Punker Thomas Schulz und ein Jahr später fiel der türkischstämmige Mehmet Kubaşık der Terrorgruppe „NSU“ zum Opfer. Vor allem im Mordfall Kubaşık ist Lukats Rolle nicht endgültig geklärt. Bereits 2016 berichtete der Blog „Ruhrbarone“ von Lukats Aussage im Landtag. Damals machte der jetzige Polizeipräsident keine gute Figur. Schlimmer noch: seine Aussagen machten deutlich, dass auch die Dortmunder Polizei dazu beitrug, der Mörder*innenbande rund um Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos nicht das Handwerk zu legen. Ob der Staatsschutz damals angefragt worden sei? Nein, behauptete Lukat zuerst und verschwieg, dass die Ermittlungen in Richtung PKK-Unterstützung durch Kubaşık führten. Ein viele Jahre übliches Muster bei den Ermittlungen rund um die NSU-Morde, die sowohl Polizei als auch Boulevardpresse despektierlich als „Döner-Morde“ titulierte.

In Bochum nicht gebraucht

Was Bochum nicht benötigt, ist ein Polizeipräsident, der jahrelang dafür sorgte, dass Dortmunder Neonazis internationale Netzwerke zu „Blood & Honour“ und der ostdeutschen Terrorzelle aufbauen konnte. Was Bochum ebenfalls nicht benötigt, ist eine weitere Aufrüstung der vor Ort stationierten Polizeikräfte. Neben zwei Hundertschaften, einer gewalttätigen „Beweismittel- und Festnahmeeinheit“, Reiterstaffeln und bereits im Hambacher Forst auffällig gewordenen Klettereinheiten nun also noch ein weichgespülter Hardliner, dessen Interessen eher in der Verfolgung angeblicher PKK-Unterstützer*innen und Linksradikalen angesiedelt sind. Was Bochum braucht, ist eine Abrüstung an der Uhlandstraße …                  

:Justin Mantoan