Irgendwann ist Schluss
Regelstudienwas?
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Niemand bleibt für immer an der Uni. Auch ohne Regelstudienzeit. Foto-Quelle: juma
Niemand bleibt für immer an der Uni. Auch ohne Regelstudienzeit.

Kommentar. Zu Beginn des Studiums wird Erstsemestern eingebläut, den Abschluss in Regelstudienzeit zu erlangen. So ein Nonsens.

Viele Menschen kommen mit einem konkreten Berufswunsch an die Universität. Sie wissen, wohin die Reise gehen soll. Bachelor, Master, Arbeit, Rente, Tod. Und das universitäre System ist auf diesen Archetyp von Studierenden ausgerichtet. Ihr könnt Euren Bachelor in drei Jahren absolvieren, danach ein bis zwei Jahre Master dranhängen. Aber worauf bereitet Euch das Ganze vor? Die Regelstudienzeit ist ein neoliberales Monster, das für unentwegt Nachschub von Kanonenfutter für die Wirtschaftsfront sorgen soll. Angefangen in den Orientierungswochen zu Beginn des Studiums wird den Studierenden klar gemacht: Der freie Markt ist nur an Euch interessiert, wenn Ihr fleißig und produktiv seid. Da draußen suchen sie kleine Roboter, funktionieren ist alles.
 

Marktradikale Kackscheiße

Dabei ist die Regelstudienzeit ein Mythos. Natürlich gibt es Studierende, die nach sechs Semestern mit dem Bachelor fertig sind, nach vier weiteren mit dem Master. Aber wofür das Ganze? Während des Studiums lebt man zum letzten Mal in relativer Freiheit. Man hat Zeit, sich ausgiebig zu engagieren, herauszufinden, was einer*einem besonders liegt oder woran das Herz hängt. Und das funktioniert nur ohne 50-Stunden-Woche, ohne vier Hausarbeiten in der vorlesungsfreien Zeit. Sicher gilt in vielen Personalabteilungen ein fancy lückenloser Lebenslauf als Türöffner, aber die Regelstudienzeit ist kein Muss. Es gibt zu viele Dinge, die man nicht im Hörsaal lernen kann. Lebenserfahrung steht auf keinem Studienverlaufsplan. Natürlich ist es ein gewisser Anreiz für Fakultäten, ihre Studierenden nach einigen Jahren los zu sein. Die damalige rot-grüne Landesregierung sorgte 2015 bei den Hochschulrektor*innen für Entzückung, als es hieß, dass jede*r Absolvent*in ihrer*seiner Alma Mater 4.000 Euro einbringt. Eine Idee, die ebenso gut von der jetzigen Landesregierung hätte kommen können, müsse man sich nicht derzeit darum bemühen, Kohlekraftwerke am Rauchen zu halten. Dabei gibt es eine Lektion, die niemand in Regelstudienzeit lernen kann: Irgendwann regelt sich das Ding mit dem Abschluss von selbst. Niemand will für immer an der Uni bleiben …     
           

    :Justin Mantoan