Hotspot erhitzt die Gemüter: Flugreisende entdecken spontan ihre Spürnase für Sprengstoff
Obacht, böseR TerroristIn!
Foto: flickr / Ell Duke (CC BY-SA 2.0)
Qantas hat die Gefahren schon früh erkannt: Furbies sind die wahren TerroristInnen. Foto: flickr / Ell Duke (CC BY-SA 2.0)
Qantas hat die Gefahren schon früh erkannt: Furbies sind die wahren TerroristInnen.

Ein WiFi-Hotspot sorgt für Chaos, weil eine aufmerksame Passagierin Gefahr wittert und das Bordpersonal informiert.  Weitere Mitreisende entdecken ihr detektivisches Gespür und versuchen, die ÜbeltäterInnen auszumachen.

James Hudson* hatte sich endlich auch mal einen Tag frei genommen.  Immer dieser Stress, kaum hat man mal einen Moment Ruhe. Und dann hatte er nicht mal den Flug bekommen, den er wollte. Schon um 16 Uhr musste er in die Qantas-Maschine einsteigen, die ihn von Melbourne nach Perth zum Geburtstag seiner Mutter bringen sollte, um dort mit ihren Freundinnen bei Käffchen und Törtchen zusammenzuhocken und ihnen dabei zuzuhören, wie sie über die neuesten Strickmuster lamentieren. 

Unerwarteter Fall für Sherlock Hudson

Noch nicht ganz im Flieger Platz genommen, stürmt eine aufgeregt vor sich hin murmelnde Frau an ihm vorbei in Richtung Cockpit. Vor lauter Eile bemerkt sie nicht, dass sie James geschubst hatte. In seiner frischen Entrüstung will er ihr nachlaufen und sie deswegen rüffeln, doch ihr Gemurmel hinderte ihn „… WiFi-Hotspot mobile detonation device … so viele Tote … Terror …“

Einige Passagiere haben das Gemurmel wohl auch gehört und zücken eifrig ihre Handys. Andere verlassen fluchtartig die Boeing 737. Auch James beschließt, sein Smartphone zu konsultieren. Kaum hat er das Gerät in der Hand, plöppen schon die verfügbaren Hotspots auf. Tatsächlich, „mobile detonation device“ ist auch in seiner Liste aufgeführt. „So geht’s aber nicht!“, denkt sich James und springt aus seinem Sitz auf. „Den schnappen wir uns!“, ruft er durch die Flugkabine und hält sein Handy wie eine Wünschelrute vor sich. Fünf weitere Engagierte folgen ihm und scannen die noch in der Maschine befindlichen Mitreisenden mit ihren Smartphones auf die Stärke des Terror-Signals. Ganz logisch gefolgert muss ja die Person, bei der das Signal am stärksten ist, des Terrors verdächtigt werden!

Der Pilot fordert per Durchsage auf, sich zu stellen. „So ein Blödsinn. Das müssen wir schon selber anpacken,“ denkt sich James, während er einen arabisch-aussehenden Mann inzwischen das dritte Mal scannt, obwohl das Signal bei ihm nur drei der fünf möglichen Balken zeigt. Aber sein Gefühl sagt ihm, dass dieser Mann gefährlich ist und sein Gefühl hat ihn noch nie getäuscht.

Das Signal wird schwächer. Nur noch einen Strich zeigt sein hochwertiges Terroristen-­W-Lan-Ortungsgerät. Obwohl Einsatzleiter Hudson und sein Sondereinsatz-Kommando die Passagiere mehrfach durchleuchtet haben, muss James sich eingestehen, dass er die Gefahr nicht ausmachen kann.   

Dennoch ein Erfolg?

Die geflüchteten Passagiere kommen zurück ins Flugzeug. Auch James nimmt wieder Platz. Da hat der Terrorist wohl Angst bekommen. „Man muss halt nur mal Initiative zeigen,“ beweihräuchert sich James. Niemand wäre je auf die Idee gekommen den Blonden mit dem Hotspot „Einhornland“ des Terrorismus zu verdächtigen, selbst wenn er vielleicht gerade auf dem Weg nach Syrien war, um dort seine Ausbildung beim IS zu machen. Mit über zwei Stunden Verspätung landet die Qantas-Maschine völlig unbeschadet in Perth.

:Kendra Smielowski

 

*Name ist frei erfunden