Alles außer Kellnern: Die :bsz-StudiJob-Reihe – Laienschauspieler
Kamera ab und Action!
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Moviestar: Julian vor und mit der Kamera. Foto: kac
Moviestar: Julian vor und mit der Kamera.
Auf diversen privaten Fernsehsendern laufen rauf und runter Sendungen, die Familien in einem sozialen Brennpunkt zeigen oder in denen Fälle aufgeklärt werden. Dafür werden auch im Ruhrgebiet immer wieder LaienschauspielerInnen gesucht; einer von ihnen ist der 27-jährige RUB-Student Julian Brock.
 
In seiner Freizeit spielt Julian Klavier, singt im Chor, dreht Youtube-Videos auf katalanisch und ist auf der Studiobühne des Musischen Zentrums (MZ) in verschiedenen Theaterstücken zu sehen. 
Durch Zufall entdeckte Julian dann einen Castingaufruf in einer Tageszeitung. „Es wurden schauspielbegeisterte Leute für das Nachmittagsprogramm gesucht“, erklärt der Spanischstudent.

Konkurrenzkampf im Hotel 

Daraufhin meldete er sich an und wurde tatsächlich zum Casting in ein Hotel in Essen eingeladen. 
Dort angekommen, bekamen er und seine KonkurrentInnen den gleichen Rollentext vorgelegt: „Als ich vorgespielt habe, waren die anderen Laienschauspieler im Raum. Ich musste mit meinem Caster eine Art Streitgespräch führen. Diese Szene wurde dann aufgenommen“, so Julian.

Gewalt im Nachmittagsfernsehen

Nach erfolgreicher Teilnahme am Casting konnte er seine erste Rolle ein halbes Jahr später annehmen.  Julian spielte einen Dieb, der von dem Hausbesitzer überwältigt, zusammengeschlagen und in eine nicht angeschlossene Tiefkühltruhe eingesperrt wurde. Für die TV-Rolle habe ihm die Maskenbildnerin dann nach dem „Zusammenschlagen“ Hämatome aufgemalt, beim Rest konnte er auf seine Erfahrungen aus dem Musischen Zentrum der RUB zurückgreifen: „Klaustrophobie bekam ich in der dunklen Truhe nicht, ich musste schon im Theater während des Stücks in einem Sarg liegen.“ 
In seiner zweiten Rolle durfte Julian erneut das Opfer spielen. Seine Film-Ehefrau erfuhr, dass er fremdgeht, und  attackierte ihn daraufhin mit einem Schraubenschlüssel. Er versteckte sich zu seinem eigenen Schutz in einem Auto. „Das war so cool, sie durfte den Wagen richtig verbeulen,“ erzählt Julian von dem Dreh.
Für die Rollen gebe es keinen vorgegebenen Text; die SchauspielerInnen müssten sich also wie beim Improvisations-Theater etwas ausdenken und sich an die Rahmenhandlung halten, so Julian. 
Abhängig von seiner Erfahrung und der Größe der Rolle bekam Julian mehr Geld. Zunächst waren es 40 Euro für vier Stunden Dreh, bei der zweiten Rolle gab es schon 70 Euro. Die Rechte am Filmmaterial liegen jedoch bei der Produktionsfirma, was bedeutet, dass es beliebig oft im Fernsehen abgespielt und weiterverkauft werden kann.

Hast du selbst was Kurioses erlebt?

Julian hat sich beim ersten Mal so sehr in die Rolle des Einbrechers hineinversetzt, dass er in seiner Tiefkühltruhe aus tiefster Lunge um sein Leben gebrüllt hat. Schlussendlich war er eine Woche lang heiser und konnte vorerst nicht mehr im Chor singen.
 
:Katharina Cygan