NRW bereitet sich auf möglichen Störfall im AKW Tihange vor
Jodtabletten gegen Verstrahlung
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Süße Darstellung eines AKW: Risse gibt es auch in der Realität. Foto: ken
Süße Darstellung eines AKW: Risse gibt es auch in der Realität.

Pannen-Meiler: Die Atomkraftwerke Tihange und Doel laufen trotz vieler Schäden, Ausfällen und Sicherheitslücken weiter. Das Land NRW reagiert und schafft vorsichtshalber auf eigene Kosten Jodtabletten an, um einer Verstrahlung bei einem möglichen Störfall in Tihange oder Doel vorbeugen zu können.

173,15 Kilometer Luftlinie – mehr trennt Bochum nicht vom Atomkraftwerk (AKW) Tihange, 205 Kilometer Luftlinie sind es bis nach Doel in Belgien. Damit liegt Bochum in der sogenannten Fernzone (weiter entfernt als 100 Kilometer). Das Land NRW hat auf eigene Kosten die ersten Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet und Jodtabletten bestellt (eigentlich ist der Bund für die Anschaffung zuständig), die im Falle eines Störfalls bei dem Radioaktivität austritt, an Minderjährige und Schwangere ausgegeben werden. Das Jod blockiert dann die Aufnahme des radioaktiven Isotops in den Körper und beugt so einer Verstrahlung vor, indem es den Körper mit nichtradioaktiven Jod sättigt. „Die Tabletten wurden auf kurzfristige Anordnung des Innenministeriums bestellt. Bis jetzt haben wir noch keine vorrätig“, sagt Annika Vößing von der Stadt Bochum. Genaue Zahlen, wie viele Tabletten bestellt wurden, habe sie aber nicht.

Bisherige Pannen sind beunruhigend

Sowohl Tihange als auch Doel erzählen Geschichten, die mit Beinahe-GAUs gespickt sind. In Doel wurde der Reaktorblock 3 2012 zeitweise still gelegt, weil man Risse im Reaktorbehälter entdeckt hat, die belgische Atomaufsichtsbehörde FANK ordnete im selben Jahr an, dass das Notkühlwasser auf 45 Grad Celsius vorgeheizt werden muss, weil es andernfalls zu einem thermischen Schock kommen und der Reaktor weiter reißen könnte. In Tihange gab es neben den gleichen Rissen im Reaktorbehälter unter anderem mehrere Brände auf dem Gelände. 2012 wurde bekannt, dass seit sieben Jahren täglich zwei Liter radioaktives Wasser aus dem Abklingbecken fließen. Ob das Problem inzwischen behoben wurde, ist  unklar.        

:Kendra Smielowski