What’s (k-)poppin‘?
Hinter der bunten Fassade des K-Pops
Bild: leda
Bild: leda

Behind the Scenes. Ausgefallene Choreographien, farbige Leuchtstäbe, ein genereller Fokus auf visuelle Darstellung und fröhliche Pop-Musik – nicht nur. Und vor allem nicht hinter den Kulissen.

Wer selbst nicht in der K-Pop Szene unterwegs ist, wird primär einige besonders bekannte Bands wie BLACKPINK, BTS oder EXO kennen. Hat man auch mal das ein oder andere Musikvideo gesehen, so erinnert man sich meist an hübsche Menschen, einen up-beat Sound und einen Mix aus koreanischen und englischen Lyrics, die der*die Durchschnittseuropäer*in fast nicht versteht. Wer hinter die oftmals bekanntesten Singles schaut, wird jedoch feststellen, dass K-Pop nicht zwingend Bubblegum-Pop sein muss. Viele Künstler*innen und Bands vermischen Pop mit anderen Musikrichtungen wie Hip-Hop, schreiben ihre Lyrics selbst und haben ebenso tiefgründige Texte, wie Fans anderer Musikrichtungen es kennen. Besonders die Solomusik von Musiker*innen, die innerhalb einer Band bekannt wurden, zeigt oft eine eigene Note und kritischere Texte.

Wer in letzter Zeit in den Medien über den Begriff K-Pop gestolpert ist, wird neben Preisverleihungen besonders über ein weiteres Thema gestolpert sein: vermeintliche sowie bestätigte Suizide. Denn hinter der bunt-fröhlichen Fassade steckt ein hartes Trainingsprogramm und daraufhin, sobald der*die jeweilige Künstler*in ihr Debüt hatte, ein Leben, in dem sie normalerweise nicht daten, ihr Äußeres nach eigenen Wünschen verändern, politische Meinungen vertreten oder in irgendeinem Sinne der Norm widersprechen dürfen. Kurz gesagt: K-Pop ,,Idols‘‘ – wie die Künstler*innen genannten werden – müssen eben genau das Image vertreten, was in vielen Musikvideos und Auftritten rüberkommt. Nach gewissen Standards hübsch aussehen, cisgendered und heterosexuell sein, eine möglichst helle Haut haben – für die auch häufig zu Schminke, Video- und Bildbearbeitung sowie anderen Formen von Whitewashing gegriffen wird. Und dabei eine Hochleistung erbringen. Viele K-Pop Songs, besonders die Singles, haben komplizierte und physisch anspruchsvolle Tanzchoreos, die auf der Bühne performt werden müssen, während live gesungen und/oder gerappt wird. Parallel muss man natürlich auch gut aussehen – und das auf Konzerten, die oftmals um die drei Stunden gehen.

Bereits häufig haben sich Idols sowie Trainees – wenn auch tendenziell milde ausgedrückt – über diese Arbeitsbedingungen beschwert. Generell sei der Druck in der Szene enorm. Viele der K-Pop Stars können über Jahre hinweg nicht länger als ein paar Tage am Stück Urlaub nehmen und leiden unter langen Arbeitszeiten und daraus resultierendem Schlafmangel. Auch bei körperlichen Beschwerden können sie sich oft nicht freinehmen.

Die koreanische Company SM Entertainment Co., Ltd. wurde beispielsweise häufig von den eigenen Künstler*innen verklagt. Einer der Gründe hierfür sind die langen Verträge, die teilweise um die 13 Jahre oder in einem Fall unrechtmäßig 17 Jahre lang gelten.  Psychische Krankheiten sind ein weiteres Tabu der K-Pop Szene, weshalb häufig keine offiziellen Bestätigungen der Todesursache der vermeintlichen Selbstmorde kommen. Einige Künstler*innen versuchen, diese Proble

matiken öffentlich zu machen: BTS‘ Suga veröffentlichte 2016 unter dem Namen Agust D ein Mixtape, in dem der Rapper Depressionen und psychische Behandlungen thematisiert. Diesen Sommer setzte TWICE’s Mina eine Tour aufgrund von Angstzuständen aus. GOT7s Rapper Jackson Wang erklärte später in diesem Jahr in einem Interview, dass er im Musikvideo zu seinem Solosong ,,Bullet to the Heart‘‘ seine eigene diagnostizierte Depression thematisiert. Zwar sind es oftmals kleine Schritte, die jedoch innerhalb der K-Pop Szene größere Auswirkungen haben könnten.

:Charleena Schweda

Abseits vom K-Pop-Mainstream

BTS kennt bald jedes Kind, doch hier ein paar Acts , die noch nicht so bekannt sind – Viel Spaß beim Reinhören.

 

 

DEAN

Anspieltipps: ,,Howlin‘ 404‘‘ und ,,Love feat. Syd‘‘
Mittlerweile doch schon auf dem ein oder anderen internationalen Radar gelandet, ist der koreanische Künstler DEAN. Dies geschah einerseits durch Features von amerikanischen Hip-Hop Größen wie Anderson.Paak oder Syd von Odd Future, andererseits durch DEANs Engelskelchen, lässiges Auftreten und gute Englischkenntnisse. Doch vor allem seine koreanischen Songs begeistern auch immer mehr die

Welt außerhalb von Korea. Gegen sein Video und Song „Instagram“ kann man sich kaum wären. Izzz catchy!

DPR LIVE
Anspieltipps: ,,Jasmine‘‘ und ,,Martini Blue‘‘

DPR LIVE sind stilistisch auf international hoher Stufe unterwegs. Die Videos sehen todschick aus und die Songs sind wunderchillig produziert. Die EP „Her“ ist zwar leider schon zwei Jahre alt, aber klingt noch immer so frisch als wäre sie gestern gedropped. Falls ihr den Ohrwurm des Jahrtausends nicht mehr loswerden wollt, hört euch Martini Blue an… Ganz so schlimm ist es nicht, aber klarer Sing-Along. Irgendwo zwischen Mac Miller und einem Neptunes-Produzierten Justin Timberlake.

offonoff
Anspieltipps: ,,Good2me‘‘ und ,,Dance‘‘

Kaum ein K-Pop Album kommt so smooth und soulig daher, wie das Album „boy.“ von offonoff. Leider hat es schon mehr als zwei Jahre auf dem Buckel und seitdem kam von dem koreanischen Kollektiv nicht mehr viel Musik, dennoch ist eigentlich das gesamte Album ein einziger Anspieltipp. Aber einer der beiden Künstler von offonoff bringt auch Solo unter dem Namen Colde einen großartigen Release nach dem nächsten. Bei ihm wird deshalb noch fix das Album „Love Part 1“ von Mai 2019 empfohlen.

Wildberry
Anspieltipps: ,,Youniverse“ und ,,Marilyn‘‘

Hier wird sogar an den Klickzahlen deutlich, dass das koreanische Original beliebter ist und einfach ausschlaggebend für die Fans. Denn ihren Song „Youniverse“ hat Wildberry sowohl in koreanischer als auch englischer Version für die Hörer*innen zur Verfügung gestellt. Klar, der ein oder andere englischsprachige Ausruf bleibt bei K-Pop fast nie aus, egal wie nischig sich die Künstler auch geben wollen, aber es muss schon koreanisch sein! Ansonsten zu Wildberry: Keine Choreos aber Songs zum weg träumen.

Hyukoh
Anspieltipps: ,,Gondry‘‘ und ,,Love Ya!‘‘

Der neuste Song von Hyukoh ist im Zuge des Netflix-Films „Nowhere Man“ entstanden und noch keine drei Wochen alt. Ihre Liebe zum Film haben sie aber schon mit dem Song „Gondry“ bewiesen, dessen Titel eine Hommage an den französischen Regisseur Michel Gondry darstellt. Michel Gondry hat seines Zeichens Filme wie „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“, „Be Kind Rewind“ aber auch Musikvideos wie Radioheads „Knives Out“, „Everlong“ von den Foo Fighters und viele weitere Meisterwerke gezaubert. Ehre, wem Ehre gebührt.

The Rose
Anspieltipps: „She’s in the Rain‘‘ und ,,Insomnia‘‘

Wer gerne mal in koreanische Musik mit rockigen Einflüssen reinhören möchte, dem*der könnte The Rose gefallen. Oftmals hat die Band auch starke acoustic vibes in ihren Songs und bringt instrumentale Versionen ihrer Lieder heraus; auf der Bühne überzeugen sie durch ihre eigene instrumentale Begleitung und starke Vocals. Die vierköpfige Pop-Rock Band war einige Zeit in der Indie-Szene unterwegs, bis sie 2017 ihr offizielles Mainstream-Debüt mit ,,Sorry‘‘ machten.

Beenzino
Anspieltipps: „Life in Color‘‘ und ,,Break‘‘
Heftige early Mac Miller Vibes gibt es von Beenzino. Beziehungsweise gab, muss man mit Verlaub sagen, denn eine weitere Schattenseite des K-Pop ist der Militärdienst. So bleibt auch ein junger aufstrebender Rapper davon nicht verschont. Auf der damaligen Spitze seines Hypes von 2016 wurde er erst mal eingezogen und es wurde fürs erste still um den Rapper. April 2019 meldete er sich aber wieder zurück, allerdings leicht eingerostet und mit zu viel Gangster-Attitüde. Der letzte Song von ihm klingt aber wieder fresher.

:Christian-Feras Kaddoura und Charleena Schweda