AbiturientInnen in Alsdorf bestimmen selbst, wann ihr Unterricht anfängt
Gleitzeit für SchülerInnen
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Zeit, aufzustehen: Der allmorgendlich schrill scheppernde Todeswunsch des blechernen Gesellen reißt auch uns aus der Tiefschlafphase. Foto: ken
Zeit, aufzustehen: Der allmorgendlich schrill scheppernde Todeswunsch des blechernen Gesellen reißt auch uns aus der Tiefschlafphase.

Am Gymnasium in Alsdorf, einer Schule, die generell schon ein alternatives Lernkonzept hat, wurde – erst testweise, jetzt dauerhaft – die Gleitzeit für OberstufenschülerInnen eingeführt.

Am Dalton-Gymnasium können SchülerInnen jetzt frei entscheiden, ob sie den Unterricht zur ersten oder zur zweiten Stunde besuchen wollen. Die ausgesetzte Unterrichtseinheit wird zum Beispiel in einer Freistunde nachgeholt.

Schulleiter Wilfried Bock hatte Anfang Februar die Gleitzeit für die Oberstufe probeweise eingeführt. 115 der 250 OberstufenschülerInnen konnten nach eigenem Ermessen zwischen 8.00 Uhr und 8.50 Uhr zur Schule kommen. 45 von ihnen trugen sogar Aktometer, die unter anderem die Tages- und Nachtaktivität aufzeichneten und so Auskunft über die Erholsamkeit des Schlafes geben können. Die erfassten Daten werden derzeit von Chronobiologen der Universität München ausgewertet.

Jetzt wurde das Konzept in den dauerhaften Lehrbetrieb überführt.

Nicht das einzig Ungewöhnliche

Das ist aber nicht das Einzige, was das Gymnasium von den „normalen Schulen“ unterscheidet.  Dort wird seit zehn Jahren nach dem von Helen Parkhurst (1887 – 1974) entwickelten Unterrichtskonzept gelehrt und gelernt. Im Fokus stehen dabei das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen, den eigenen Interessen folgend. SchülerInnen werden dabei in einzelnen Stunden nicht von LehrerInnen unterrichtet, sondern erarbeiten sich die Unterrichtsinhalte in den sogenannten Dalton-Stunden selbstständig. Die erste Stunde in der Oberstufe ist eine dieser Dalton-Stunden, weshalb das Gleitzeit-Modell überhaupt erst umsetzbar wird.

Die Frage nach dem Sinn

Grund für den flexiblen Tagesstart ist die Anpassung der Unterrichtszeiten an die hormonelle Umstellung, die SchülerInnen während der Pubertät durchmachen. Dabei verschiebt sich die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Der ganze Tag-Nachtrhythmus verschiebt sich in den Morgen. Während der ersten Unterrichtstunde befinden sich SchülerInnen (und StudentInnen übrigens auch) hormonell mitten in der letzten REM-Phase, in der Gelerntes verarbeitet und verstanden wird. 

Ab 25 Jahren normalisiert sich der Tag-Nachtrhythmus im Übrigen wieder.