Aus der Wiege der Demokratie
Gedankenexperiment: Das StuPa wird gelost

Kommentar. 9,8 Prozent Wahlbeteiligung. Wäre ein Losverfahren nicht demokratischer?

In der Forschung zur politischen Beteiligung wird oft festgestellt, dass einer der Gründe für das Scheitern der Einbeziehung darin begründet ist, dass nicht direkt gefragt wurde. Eine Bürger*innenkonferenz zum Beispiel wird ganz anders besucht, wenn im Vorfeld persönliche Einladungen rausgeschickt werden, anstatt lediglich einen Aushang mit Informationen am schwarzen Brett im Rathaus auszuhängen. Menschen sind also durchaus bereit sich mit Zeit und Energie in politische Prozesse einzubringen, wenn sie persönlich dazu aufgefordert werden. Ok, behalten wir das im Hinterkopf. So. Legitimationskrise also. Was wäre, wenn anstelle der Wahlen, das StuPa aus der gesamten Studierendenschaft gelost werden würde? Das Losverfahren ist ein urdemokratisches Instrument, was in der Wiege der Demokratie entstand, nämlich in Athen. Die Wahlen als demokratische Methode wurden erst im 18. Jahrhundert eingeführt, um in der revolutionären Zeit in den U.S.A und Frankreich den Pöbel aus den Königshäusern zu halten. Wie dem auch sei. Wie kann durch ein Losverfahren der fehlenden Legitimation aus dem Weg gegangen werden?

Ein Grund, warum sich die Studierenden nicht für Hochschulpolitik interessieren, ist der, dass sie nicht wissen worum es eigentlich geht und was das überhaupt mit ihrem Leben zu tun hat. Geht ein*e ja immer so lange nichts an, bis die Anwesenheitspflicht auf einmal wieder eingeführt wird. Oh, ist ja doch wichtig. Wenn man die Universität als einen Bildungsort wahrnimmt, dann sollte die akademische Elite auch erfahren dürfen, wie politische Prozesse vollzogen werden oder Debatten in Parlamenten aussehen. Politik sollte für Studierende erfahrbar gemacht werden und jede*r sollte die Chance bekommen, auch wenn es nötig ist sie dafür persönlich zu fragen. Abgesehen vom Beteiligungsdisaster würde ein riesiger Energiefresser und Entscheidungsbremser wegfallen. Nämlich der gute alte Wahlkampf. Listen müssten sich nicht mehr darum bemühen, ihr Image zu bewahren oder unpopulären Entscheidungen aus dem Weg zu gehen, weil das Prinzip der Machterhaltung aufgehoben werden würde. Also: Was würdest Du denn tun, wenn Dein Name aus der Urne gezogen werden würde?

:Meike Vitzthum