Wöchentliche Proteste polariseren – Scheinargumente in der Politik
Fridays 4 Future: Konservative Argumentlosigkeit
Bild: Anders Hellberg CC0
Kultfigur und Hassobjekt: Greta Thunberg, Initiatorin der weltweiten Proteste steht in der Kritik, doch diese ist  nie stichhaltig. Bild: Anders Hellberg CC0
Kultfigur und Hassobjekt: Greta Thunberg, Initiatorin der weltweiten Proteste steht in der Kritik, doch diese ist nie stichhaltig.

Kommentar. Die wöchentlichen Proteste polarisieren weltweit. Gegner*innen der Klimaaktivist*innen fallen mit Scheinargumenten auf. Doch aus ihnen spricht die Angst.

Schulstreik fürs Klima hallt es jeden Freitag durch die Innenstädte, viele Klassenräume bleiben indes leer. Immer mehr Schüler*innen weltweit beteiligen sich an den Protesten gegen den Klimawandel und für eine zukunftsorientierte Klimapolitik. Sie fordern die etablierte Politik zum Handeln auf. Doch dort ist man gefangen zwischen Taubheit und Empörung. Den Zuschauenden bietet sich eine interessante Lektion in Argumentieren: „Schule schwänzen ist verboten“, ist eines der Hauptargumente der Gegner*innen der wöchentlichen Proteste – und doch bleibt es ein Totschlagargument, sein*e Anwender*in will oder kann sich nicht mit den Inhalten des Protests auseinandersetzen; die Gründe sind verschieden und nicht immer tatsächlich nachvollziehbar. Daneben bedienen sich zahlreiche Politiker*innen und andere Gegner*innen weiteren Scheinargumenten, auf deren Beispielhaftigkeit selbst Arthur Schopenhauer neidisch gewesen wäre: Die Klimaangelegenheit solle den Profis überlassen werden, fordert Christian Lindner (FDP) und liefert ein Paradebeispiel des Argumentum ad personam, Paul Ziemiak (CDU) schließt sich gern an, indem er von „purer Ideologie“ spricht und Frau Thunberg als „Arme Greta“ tituliert. Bei der AfD beißt man sich an Greta Thunbergs Asperger-Diagnose fest und ist sich sicher, dass das Engagement auf psychischen Störungen basiert. Der rechtsradikale Abgeordnete Harald Laatsch gibt Frau Thunberg sogar die Schuld am Terroranschlag von Christchurch.

Wahre Argumente fehlen

Es ist nicht verwunderlich, dass vor allem Parteien rechts der Mitte gegen Greta Thunberg und die Fridays for Future-Proteste hetzen, aus zahlreichen Gründen. Für CDU und FDP ist die Sache eindeutig, wer von der energieintensiven Industrie oder sogar von Energieversorgern bezahlt und gefördert wird, wer persönlich im finanziell bestens aushaltbaren Hier und Jetzt lebt, will die eigene Wähler*innenschaft aus ebenfalls Konservativen und Marktradikalen nicht verschmähen, will auch keine Zugeständnisse machen und einsehen, dass man jahrzehntelang verheerende Umweltpolitik betrieben hat und maßgeblich für die bevorstehende Klimakatastrophe mitverantwortlich ist. Bei der AfD indes glaubt man gar nicht an einen von Menschen und Industrie erzeugten Klimawandel, wittert Verschwörungen, die auf eine Linksgrünversiffung der Gesellschaft hinarbeiten. Tatsächliche Argumente fehlen allen, nicht zuletzt, als 12.000 Wissenschaftler*innen den Schulstreiks ihre Unterstützung zugesagt haben. Eins jedoch ist sowohl Aktivist*innen als auch den rechten Kritiker*innen gemein: Sie sorgen sich um die Zukunft. Die Aktivist*innen sorgen sich um die Zukunft des Planeten, die Politik um die eigene Zukunft in den Parlamenten. Wenn heute hunderttausende junger Menschen auf die Straßen gehen, weil ihnen die derzeitige Politik schlicht und ergreifend nutzlos und untätig erscheint, werden sie bei den ersten Wahlen, an denen sie teilnehmen dürfen, ihr Kreuz sicher nicht bei jenen machen, von denen sie heute diffamiert und beleidigt werden.

:Justinian L. Mantoan