mit Videospielklassiker gegen Traumata kämpfen
Forschung bestätigt: Tetris hilft gegen Symptome von PTBS
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Mit Bunten Klötzchen gegen das Trauma: Forscher*innen entdecken die heilende Wirkung von Tetris.      					                                Symbolbild
Mit Bunten Klötzchen gegen das Trauma: Forscher*innen entdecken die heilende Wirkung von Tetris.

Psychologie. Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) können sehr einschränkend sein, vor allem Flashbacks sind ein Problem. Wie das Videospiel Tetris hier Abhilfe schaffen kann, haben Bochumer Forscher*innen herausgefunden.

Patient*innen, die unter PTBS leiden, durchleben oftmals blitzartige, sehr intensive Erinnerungen, so genannte Flashbacks. Diese versetzen sie in den Zustand einer besonders prägenden, oftmals belastenden Situation,  eines Traumas, zurück. Die Erinnerung kann so intensiv sein, dass Betroffene und Psycholog*innen von einem erneuten Erleben der Situation sprechen. Zwar bedürfen posttraumatische Belastungsstörungen einer intensiven psychologischen Behandlung, doch sind Therapieplätze nach wie vor rar. Ein Team Bochumer und Karolinska Forscher*innen hat daher eine Möglichkeit entwickelt, mittels dem Videospiel Tetris eine zum Teil deutliche Linderung der Flashbacksymptome zu erwirken. Das Team um Prof. Henrik Kessler und Dr. Aram Kehyayan von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im LWL-Universitätsklinikum berichteten gemeinsam mit der schwedischen Forscherin Prof. Emily Holmes bereits im Dezember in der Fachzeitschrift „Journal of
Consulting and Clinical Psychology“ über ihre Ergebnisse.

Alte Erkenntnis

Holmes erkannte mit ihrem Team an der Karolinskaer Universität bereits vor zehn Jahren, dass das Spielen von Tetris durch Horrorfilme ausgelöste flashbackartige Erinnerungen direkt im Anschluss an den Film lindern kann. „Die PTBS lässt sich mit den verfügbaren Therapien gut behandeln“, sagt Henrik Kessler, Oberarzt und Traumatherapeut,  „allerdings gibt es viel mehr Patientinnen und Patienten als Therapieplätze.“ Daher nahmen sich die Forscher*innen zum Ziel, die Erkenntnisse aus Schweden auf zum Teil viele Jahre zurückliegende Traumata anzuwenden.

Neue Forschung

An der Studie nahmen 20 Patient*innen mit komplexer PTBS teil, die für eine sechs- bis achtwöchige reguläre Therapie in einer stationären Einrichtung untergebracht waren. Die Proband*innen absolvierten neben den üblichen Einzel- und Gruppentherapien eine spezielle Intervention, während der sie eine ihrer belastenden Erinnerungen aufschrieben und den Zettel, ohne über seinen Inhalt zu sprechen, zerrissen. Anschließend spielten sie für 25 Minuten Tetris. Die Betroffenen gaben während ihrer regulären Therapie an, an verschiedenen Flashbacks zu leiden, gaben während der Tetrisübung jedoch stets nur ein belastendes Ereignis an. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Häufigkeit der während der Intervention fokussierten Flashbacks signifikant, nämlich um 64 Prozent zurück ging. Eine solche Entwicklung ließ sich für die nicht fokussierten Erinnerungen nicht erkennen, hier lag die Rückgangrate lediglich bei 11 Prozent.
Das Forscher*innenteam mutmaßt, dass Flashbacks und das Spielen von Tetris die gleichen Areale im Gehirn nutzen, nämlich Gebiete für räumlich-bildliche Verarbeitung. Da die Ressourcen begrenzt sind und die beiden Ereignisse konkurrieren, kommt es zu Interferenzen. Hierdurch werden, so die Vermutung der Wissenschaftler*innen, die Erinnerungsstrukturen der Flashbacks abgeschwächt wieder abgespeichert. Da die zurückliegende Studie nur auf eine begrenzte Proband*innenzahl zurückgreifen konnte, werden derzeit größere Untersuchungen angestrebt.         

    :Justin Mantoan