Geschichte: Die älteste kontinuierlich erscheinende Studizeitung wird 50
Die :bsz im Spiegel ihrer Jubiläen
Foto: :bsz Archiv
Nostalgie: Die :bsz hat schon damals Studis über Politik und Co informiert. Foto: :bsz Archiv
Nostalgie: Die :bsz hat schon damals Studis über Politik und Co informiert.

Rückblick: Die :bsz feiert 50-Jähriges – wie hat sich die Berichterstattung zu den Ehrentagen der Zeitung im Laufe der Zeit verändert? Ein Blick in das Archiv der Zeitung schafft Klarheit.

Ein Jubiläum bietet die Gelegenheit, Rückschau zu halten. Die :bsz hat in den fünfzig Jahren ihres Bestehen viele Jubiläen gefeiert, zumeist in Abfolge von 100 Ausgaben. In ihrer Betrachtung zu den Ehrentagen rückten Redaktionsmitglieder in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedliche Themen in den Vordergrund und ließen dafür andere unbeachtet; damit einhergehend veränderte sich auch der Blick auf die Zeitung und wie sie wahrgenommen wird.

In den 1970er und 80er Jahren erinnerten Jubiläumsartikel vor allem daran, wie die :bsz über die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen berichtete und diese selbst vorantrieb, indem sie die bestehenden Sitten in Frage stellte: „Vor allem macht die Konfrontation mit der Vergangenheit eines deutlich, nämlich die Verhältnismäßigkeit dessen, was als »normal«, als üblich, als selbstverständlich empfunden wird.“ Resigniert stellten RedakteurInnen 1985 zur 300. Ausgabe fest, dass unter dem 1978 ins Amt gekommenen RCDS AStA „internationalistische Themen nicht mehr behandelt [werden], sogar hochschulpolitisches – was ja eigentlich erlaubt ist – kommt selten vor“. In den folgenden Jubiläumsartikeln findet das politische Engagement der :bsz keine prominente Rolle mehr, sondern es wird zu einer Gedenkkategorie unter vielen. Die Zeitung rückt als Gesamtprodukt stärker in den Fokus.

Politik und Nackedeis

Zur 500. Ausgabe wurde zwar die Geschichte der Studierendenzeitung und ihrer politischen Haltung ausführlich beleuchtet, jedoch fanden ebenso die Veränderung des Layouts und die nackten Menschen, welche viele der Ausgaben der 1960er und 1970er zierten, ausführliche Erwähnung. Selbstironisch verkündete der entsprechende Artikel: „Nackte Tatsachen hat es in der BSZ seit 1968 des Öfteren gegeben. Sogar AStA-Referentinnen zogen sich für das Schmierblatt aus.“ Je länger die :bsz erschien, desto schwieriger wurde es jedoch, alle Aspekte und alle Facetten der Zeitung adäquat zu würdigen.

Bruch in der Erinnerungskultur

2005 entschieden sich die RedakteurInnen daher, aus dem bisherigen Jubiläumszyklus auszusteigen und in der Ausgabe 666 einen Rückblick zu wagen. Dabei entschlossen sie sich, „die spannende Geschichte der bisher 76 bsz-Semester in fünf Schlaglichtern“ nachzuzeichnen. Die Schlaglichter bildeten dabei jeweils Schnapszahlausgaben wie die 111 oder die 222. Mit diesem Bruch kehrte auch das Politische in seiner universitären und bundesrepublikanischen Ausprägung als zentrale Kategorie zurück.

Einen weitaus radikaleren Bruch mit der bisherigen Erinnerungsdarstellung vollzog die 1000. Ausgabe, die nicht nur Rückschau hielt und dabei erstmals das Thema Mobilität beleuchtete; auch Layout und Farbgebung veränderten sich. 50 Jahre :bsz – das sind nicht nur über 1100 Ausgaben sondern auch zahlreiche Jubiläen. Die damit verbundenen Erinnerungen haben die Zeitung ebenso geprägt wie die Ereignisse auf dem Campus.

 
Gastautor und ehemaliger Archivar
 :Jan Freytag 
 
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