Premiere im Schauspielhaus Bochum: „Verbrechen und Strafe“
Die alte Frage nach der Schuld
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Es sollte der perfekte Mord sein: Jana Schulz (Mitte) mit Daniel Stock und Roland Bayer in „Verbrechen und Strafe“. Foto: mar
Es sollte der perfekte Mord sein: Jana Schulz (Mitte) mit Daniel Stock und Roland Bayer in „Verbrechen und Strafe“.

Jan Klastas Aufführung von Dostojewskis „Verbrechen und Strafe“ läutet die neue Spielzeit ein und verlangte den ZuschauerInnen vieles ab. Ohrenbetäubendes Durcheinander auf der Bühne, gewissenloses Morden, aber vor allem grandiose Charaktere mit Jana Schulz in der Hauptrolle als Rodion Romanowitsch Raskolnikow. 

Premierenwochenende am Schauspielhaus Bochum. Und das startete am Freitag mit  „Verbrechen und Strafe“ unter der Regie von Jan Klata und der Bühnenbearbeitung von Dramaturg Olaf Kröck in die letzte Spielzeit unter Intendant Anselm Weber. Es ist laut und grell auf der Bühne. Die ZuschauerInnen müssen sich teilweise die Ohren zuhalten. Werden die neun SchauspielerInnen, jeweils ausgestattet mit einem Dostojewski-Exemplar von „Verbrechen und Strafe“, das gesamte Werk laut und im Durcheinander vorlesen? Im Hintergrund läuft der Text mit: „Ein Beil muß her! Dann bist du gleich mit ihr fertig!“ „Nur kein Mitleid, Leute, nehmt jeder eine Peitsche mit, auf Vorrat!“ Harter Tobak, große Wirkung.

Schuldgefühl und Größenwahn

Die Anfangsszene zeigt die grausame Traumsequenz vom Pferdchen und der Peitsche. Doch statt des Pferdes zerpeitschen die SchauspielerInnen auf der Bühne wild die Romane, aus denen sie zuvor in der 15-minütigen Anfangsszene vorgelesen hatten. In dem Roman ist von Beginn an klar, wer diesen Mord begangen hat. Doch Raskolniokow, der davon ausging, den perfekten Mord begangen zu haben, verfällt in einen fiebrigen Zustand zwischen Schuldgefühl und Größenwahn. Jan Klata findet in seiner Inszenierung starke Bilder und versucht dabei, den Zustand der Charaktere hervorzuheben – mal durch überdimensional große Darstellung, mal durch eine verzerrte Perspektive, um zum Beispiel den Zerfall des wahnsinnigen Rodion Romanowitsch Raskolnikow zu porträtieren, der von Jana Schulz ausdrucksstark gespielt wurde. Dreieinhalb Stunden voller Gewalt, Lügen, Demut, Intrigen und Geheimnisse. 

:Tim Schwermer