Foto-Austellung zur aktuellen Lage in Nicaragua
Bilder aus dem sandinistischen Alltag
Bild: kubu
Berichteten über die aktuelle Lage in Nicaragua: Osmerlin Silva und  Karina Lange. Bild: kubu
Berichteten über die aktuelle Lage in Nicaragua: Osmerlin Silva und Karina Lange.

Ausstellung. In Nicaragua gehen hunderttausende Menschen gegen die Politik der Regierung auf die Straße. Fotos im Bahnhof Langendreer zeigen nun Impressionen der Protestbewegung. Bei der Vernissage am vergangenen Donnerstag gab es einen Vortrag zur aktuellen Lage im Land.

Protestierende auf einem Auto. Barrikaden, an denen sich Straßenkämpfe geliefert werden. Ein Fahnenmeer in blau und weiß – die Nationalfarben Nicaraguas. Das sind nur einige der Motive, die in der Foto-Ausstellung „Nicaragua libré!“ im Bahnhof Langendreer zu sehen sind.  Die Bilder erinnern an die Revolution von 1979, doch die Beteiligten könnten unterschiedlicher nicht sein. Während damals der Diktator Anastasio Somoza Debayle von den Sandinisten um den heutigen Präsidenten Daniel Ortega gestürzt wurde, richtet sich die Wut der Bevölkerung heute gegen Ortega und die Sandinisten selbst.
Zur Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Donnerstag, dem 6. Dezember, war Osmerlin Silva als Redner zu Gast. Gebürtig aus Nicaragua, lebt er seit 14 Monaten in Deutschland und arbeitete als Bildungsreferent im Welthaus Bielefeld. Die sandinistische Regierung versuche, die Beobachtungen der Geschehnisse in den letzten Monaten durch internationale Organisationen zu stören und zu behindern. Deshalb wolle Silva die „Stimme für die Menschen in Nicaragua“ sein. Unterstützt wurde er dabei von Karina Lange, einer ehemaligen Mitarbeiterin des Informationsbüros Nicaragua, die den zum Großteil auf Spanisch gehaltenen Vortrag übersetzte. Gemeinsam berichteten sie über den bisherigen Lauf der Ereignisse.


Polizei tötet Demonstrant*innen

Das Aufbegehren der Bevölkerung gegen die Sandinisten hat verschiedene Ursachen. Während schon länger eine Unzufriedenheit mit der Regierung herrsche, haben zwei Ereignisse im April dieses Jahrs das Fass zum Überlaufen gebracht. Ein zehntägiger Waldbrand im Rahmen eines Kanalbauprojekts sowie Kürzungen in der Sozialversicherung ließen die Menschen auf die Straßen gehen. Den Protesten schlossen sich schnell auch andere Gruppierungen an: Frauenrechtler*innen und Studierende, aber auch Unternehmer*innenverbände. Ab dem 19. April wurden die Proteste gewalttätiger und blutiger: Die Polizei sowie die Jugendorganisation der Sandinisten stellten sich den Protestierenden entgegen. Die Situation eskalierte in den folgenden Wochen und Monaten immer mehr. Die Regierung setzte das Militär sowie paramilitärische Verbände gegen die Demonstrationen ein, die wütende Bevölkerung errichtete Straßenbarrikaden auf den wichtigsten Handelswegen, um so die Sandinisten unter Druck zu setzen. Tote, Verletzte sowie das Verschwinden von Menschen ist seitdem Alltag.
Mittlerweile sollen knapp 600
Protestierende im Gefängnis sitzen; etwa die Hälfte davon seien Studierende. Im September beschloss die Regierung außerdem noch ein Anti-Terror-Gesetz, das bizarr anmutet: Das Tragen der Nationalfarben blau und weiß sowie das Zeigen der Nationalflagge kann nun als terroristischer Akt gedeutet werden. Die Protestbewegung hatte sich diese Symbole für ihre Sache angeeignet, um sich so von den Parteifarben der Sandinisten, rot und schwarz, abzugrenzen.
Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht: Den Vorschlag von Neuwahlen lehnt Ortega bis jetzt ab. Referent Osmerlin Silva wünscht sich einen kompletten Neuanfang in Nicaragua: Er glaubt nicht, dass eine der Parteien des Landes eine Besserung bringen wird.

:Philipp Kubu