NAWI und RCDS – mögliche Koalitionspartner?
Auf ein Bier mit … RCDS und NAWI
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Let’s get ready to rumble: Die Finale Runde zwischen RCDS (Bianca) und NAWI (Felix). Bild: sat
Let’s get ready to rumble: Die Finale Runde zwischen RCDS (Bianca) und NAWI (Felix).

HoPo. Bianca (RCDS) und Felix (NAWI) hatten die Ehre, die Bier-Reihe mit uns zu schließen. Beide Listen gelten als konservativ, doch sehen sie das auch so? Der letzte und vierte Teil handelt von ungeahnten Gemeinsamkeiten, Werten und Finanzpolitik. 

Beide Listen sehen sich als pragmatische Hochschulliste, sich wobei der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) „für eine pragmatischere, aber auch konstruktivere Hochschulpolitik einsetzten“ möchte. Zurzeit ist die studentische CDU-nahe Hochschulgruppe in der Opposition und gehört mit nur einem Sitz im Studierendenparlament (StuPa) zu den kleinen Listen. Gegenüber steht der Riese der Hochschulpolitik. Mit zehn Sitzen ist die Liste der Naturwissenschaftler und Ingenieure (NAWI) im StuPa vertreten und bekleidet aktuell den AStA-Vorsitz.

Werte oder nicht Werte?

Ein Unterschied liegt in der Herkunft der Listen: Das Besondere an der NAWI sei, betont Felix, „dass wir nicht an eine politische Partei gebunden sind und wir uns rein auf Hochschulpolitik fokussiert haben.“ Auch das Programm sei bei der NAWI „jedes Jahr ein wenig anders.“ Dies liege an den fluktuierenden Mitgliedern. Obwohl auch GeisteswissenschaftlerInnen in der NAWI sind, seien sie vom Gedankengut „eben so ein bisschen wie Ingenieure und Naturwissenschaftler – pragmatisch.“ Bianca hingegen vertrete mit dem RCDS ganz klar „christlich-demokratischen Werte“. Dennoch betont sie, „dass unsere Mitglieder und unsere Unterstützer nicht auch Parteimitglieder“ sein müssen. Der RCDS setze sich ebenfalls für eine pragmatische und studinahe Hochschulpolitik ein und Bianca wünsche sich, dass die Arbeit im StuPa und im AStA nicht „durch verschiedene Ideologien getrübt“ wird. Sie stehe mit dem RCDS für alle Studierenden ein.

Berührungspunkte

Für Felix (NAWI) fühlte sich das Gespräch ein wenig wie das TV Duell an: „Ich nicke nur. So große Differenzen sehe ich grad nicht. Die Frage, die sich nur stellt, ist: will man ein CDU-Pendant oder eine parteiunabhängige Hochschulliste wählen?“ Denn Übereinstimmung haben beim dem studentischen Angebot beide. Bianca (RCDS) lobt das umfangreiche kulturelle Programm und das vielfältige und wichtige Beratungsgespräch des AStA. Ebenso sieht sie auch die politisch ausgeglichenen Veranstaltungen, doch ihr fehlen dort noch weitere Aspekte: Sie wünsche sich beispielsweise „mehr Veranstaltungen zum Stärken des europäischen Gedanken.“ Ihr fehle die Aufklärung für die Studierenden, warum Europa für uns wichtig sei. Damit möchte sie dem rechten und linken Populismus entgegentreten. Auch Veranstaltungen zum täglichen Politikgeschehen und zur Stärkung der Frau in der Politik vermisst sie in der Veranstaltungsliste.

„Finanzen und Transparenz“

Natürlich sind die Liquiditätsengpässe des diesjährigen Haushaltsjahres Gegenstand des Gesprächs. Der RCDS wünsche sich, so er denn in den AStA komme, das Finanzreferat. Denn sie stellen nicht nur die Qualifikation des derzeitigen Finanzreferenten in Frage, sondern wunderte sich auch über die plötzliche Erhöhung des Sozialbeitrages um 4,40 Euro (:bsz 1132). „Wir haben uns Fragen zur Transparenz gestellt“, erzählt Bianca. „Die Studis wurden nicht informiert, warum es passiert ist. Da ist ein großes Haushaltsloch – und das musste gestopft werden.“ „Der Finanzer hat ein langes Statement verfasst, warum nun die Erhöhung von über 4 Euro geschehen musste. Und warum auch so eine heftige Erhöhung nötig war“, erklärt Felix. „Ein anderer AStA hätte in dieser Situation in der gleichen Größenordnung erhöhen müssen.“ Der RCDS bezweifelt die Aussage und schätz die Situation so ein, dass jemand, „der sich mit Zahlen auskennt, zum Beispiel ein VWLer oder ein BWLer“, qualifizierter für den Job sei und es so zu keinem „Haushaltsloch“ gekommen wäre.

Felix’ Tipp: „Eigentlich hätte man – ganz ehrlich, um es transparent zu gestalten und die Rücklagen nicht weiter schrumpfen zulassen – den Sozialbeitrag immer jedes Jahr, sagen wir mal um 50 Cent oder 1 Euro erhöhen lassen“ sollen. Ein kleines Wahlversprechen seitens der NAWI sei, den Sozialbeitrag um 2 bis 3 Euro zu senken – jedenfalls nach Möglichkeit. Der RCDS schließt sich dem an.

Die Abrechnung

Trotz erster Unterschiede haben beide Listen Gemeinsamkeiten in den Umsetzungsvorstellungen: Beide finden die Einteilung in rechts- oder linksextremer Ideologie in der Hochschulpolitik fehl am Platz und sehen sich als pragmatisch. Sie schließen keine anderen Listen für mögliche Koalitionsgespräche aus und wollen die Tristesse der PendlerInnen-Uni mit Veranstaltungen verschönern.

Der RCDS hat am AStA die fehlende Transparenz und Kommunikation sowohl mit den Listen als auch mit den Autonomen Referaten, insbesondere mit dem Referat für Menschen mit Behinderungen und sämtlichen Beeinträchtigungen (AR MBSB) bemängelt. An der Opposition findet Felix (NAWI) das genaue Nachfragen im StuPa, speziell von der GRAS und den JuLis, gut. „GRAS und JuLis sind immer ganz vorne dabei, den AStA zu befragen. Was an sich eine gute Sache ist. Denn so wird Transparenz hergestellt.“

Das Gute am RCDS? „Die haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht“, sagt Felix. Vom RCDS erwarte er als CDU-Pendant eine konservativ-christliche Ausrichtung. Doch die „Anträge [im StuPa], die unterstützt wurden, gingen in die links-grüne Richtung.“ Bianca erwidert, dass der RCDS seine Meinung nicht ändere, nur weil ein Antrag ebenfalls von einer linken Hochschulgruppe unterstützt werde: „Wir haben klare Leitlinien.“

Direkt an den Studi!

Die beiden Listen wünschen sich gegenseitig einen fairen Wahlkampf. Felix betont, dass er sich einen positiven Wahlkampf wünsche. In der Vergangenheit bemerkte er, dass Listen mit „der Kritik und mit der Diffamierung an der NAWI an Stimmen kommen“ wollten. Das NAWI-Mitglied merkt noch an, wie wichtig es sei, dass die Studierenden zur Wahl gingen und sich nicht von einem Namen blenden lassen sollen – auch nicht von der NAWI oder dem RCDS – sondern das Programmheft durchlesen und an den Ständen der Wahlwoche mit den Listen-Mitgliedern sprechen.

Bianca (RCDS) stimmt zu, wünscht sich aber, dass die NAWI im Gegensatz zum vergangen Jahr auch wirklich zu den selbst initiierten Gesprächen erscheint. Sie akzentuiert, dass der RCDS gute Leute zum AStA und StuPa beisteuern kann; „Wir sehen uns als Dienstleister der Studis, denen sie eine schöne Zeit und einen guten Studienabschluss ermöglichen wollen.“

:Sarah Tsah

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