Zum 25. Mal lädt das Impulse Theater Festival die freie Szene ein
Anti-T.I.N.A.-Theater
Foto: David Baltzer
Ein unbekanntes Internetvideo einer Familienfeier: „Western Society“ von Gob Squad als Spiegelbild einer Gesellschaft, die aus den Fugen gerät. Foto: David Baltzer
Ein unbekanntes Internetvideo einer Familienfeier: „Western Society“ von Gob Squad als Spiegelbild einer Gesellschaft, die aus den Fugen gerät.

Auf der Suche nach frischem politischen Theater: Vom 11. bis 20. Juni bietet das Impulse Theater Festival der Freien Szene zum bereits 25. Mal eine Plattform für innovative Bühnen- und Performancekunst. Zentrum des Festivals wird dagegen zum ersten Mal der Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr sein. Unter dem Motto „Gesellschaftsspiele“ werden in neun deutschsprachigen und drei internationalen Produktionen zudem die Möglichkeiten eines politischen Theaters präsentiert und diskutiert.

Es scheint nicht die schlechteste Kontrastfolie für mutiges, politisches Theater zu sein. Das T.I.N.A.-Prinzip geht natürlich auf Margaret Thatcher zurück: „There is no alternative“. Oder um eine andere schöne Sentenz der neoliberalen Vordenkerin  zu bemühen: „Es gibt keine Gesellschaft.“ Und wie aktuell das ist: verheerender Sozial- und Demokratieabbau, ausufernde Überwachung und zunehmende Kriegskonflikte – wenn sich keiner/keine laut genug beschwert, scheint es auch keine Gesellschaft zu geben. „Die zentrale Aussage des Theaters lautet: ‚Es gibt Gesellschaft‘“, hält der Autor und Performer Alexander Karschnia, der mit seinem Werk „Kriegserklärung“ beim Festival zu Gast sein wird, dagegen: „Genau das bestreitet der Neoliberalismus. Deswegen hasst der Neoliberalismus das Theater so.“

Das „Anti-T.I.N.A.“-Prinzip ist dabei nur eines von vielen Stichworten, die von den verschiedenen Festival-AkteurInnen bereits im Programmheft reflektiert werden. Doch es zeugt nicht zuletzt von einem zunehmenden politischen Interesse der freien Theater-Szene.

„Alternative Ruhr-Universität für alle“

Um auch nach den Bedingungen des Theaters als politischem Raum zu fragen, wurde unter anderem die poststrukturalistische Politikphilosophin Chantal Mouffe eingeladen, die in verschiedenen Veranstaltungen ihre Theorien der radikalen Demokratie und der agonistischen Gesellschaft nicht nur mit gegenwärtigen Protestbewegungen verknüpfen, sondern vor allem mit Möglichkeiten eines aktuellen politischen Theaters verbinden will.

Politisch brisante wie spannende Aspekte wird wohl auch die „Silent University Ruhr“ eröffnen, eine internationale Produktion des kurdischen Künstlers Ahmet Ögüt, der eine Uni für von Flucht und Migration betroffene AkademikerInnen präsentieren will: „Gemeinsam entwickeln die Teilnehmenden Kursinhalte, die ihren beruflichen Qualifikationen und ihren Reflexionen als Geflüchtete oder Asylsuchende entsprechen und die sie aus der Rolle der stimmlos Wartenden herausholen.

Mit Aufführungen, Performances und Diskussionen sucht die freie Szene nach möglichen Formen und Inhalten eines politischen Theaters. Wie es denn aussehen kann, ist noch offen. Erprobt wird es ab dem 11. Juni in Mülheim. Fest steht dagegen nur eins: Es gibt eine Alternative!

:Benjamin Trilling

:bsz-info

Zentrum des Impulse Theater Festivals vom 11. bis 20. Juni ist der Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr (Am Schloß Broich 38). Nur wenige Veranstaltungen werden in Düsseldorf oder Köln stattfinden.

Das gesamte Programm findet Ihr unter: www.festivalimpulse.de