Bräuche und Tradition
Alles neu macht der Mai
Bild: Stefan Schäfer, Lich [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]
Bild: Stefan Schäfer, Lich [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Brauchtum. Auf dem Dorfplatz, vor der Haustüre oder in der Natur – jede Region hat ihre eigenen Maitraditionen und Bräuche. Hier klären wir über die Wichtigsten auf und zeigen, was der Monat alles zu bieten hat.

Historische Maibräuche

Das Brauchtum im Frühling, vor allem in Europa, fokussiert sich auf Feste, die um den 1. Mai herum stattfinden. Die frühesten bekannten Feierlichkeiten, die sich rund um dieses Datum abgespielt haben, stammen aus dem römischen Reich. Am 27. April feierten die Römer*innen die Floralia, ein Fest zu Ehren der Göttin der Blumen, Flora. Alle drei Jahre fand zudem im Mai die Maiuma statt, das Dionysus, dem Gott des Weins, und Aphrodite, der Göttin der Liebe, gewidmet war. Während der Floralia wurden Theaterstücke aufgeführt und Opfergaben dargebracht. Außerdem standen Wettkämpfe
auf dem Programm.
In Nord-und Mitteleuropa wurde im Mittelalter von der Nacht vom 30. April auf den  1.Mai die Walpurgisnacht gefeiert. Sie bezieht sich auf den Feiertag der heiligen Walburga, einer Äbtissin in England im 8. Jahrhundert, der zur Abwehr von Hexen diente. Der „Tanz in den Mai“ hat hier seine Wurzeln.
In der Gaelischen Kultur wurde die Nacht zum 1. Mai unter dem Namen Beltane als Beginn des Sommers gefeiert. Zum ersten Mal ist das Fest 900 n. Chr. belegt. Feuer spielte eine wichtige Rolle, so wurde beispielsweise Vieh zwischen zwei Flammen hindurchgetrieben, um es so vor Krankheiten zu schützen. Dies wurde in Irland und Schottland noch bis ins 19.Jahrhundert praktiziert.
Im Katholizismus gibt es seit dem 18. Jahrhundert eine Verbindung zwischen dem Mai und der Jungfrau Maria. So finden sich in künstlerischen Darstellungen der Gottesmutter Blumenkronen, die an die Krönung einer Maikönigin erinnern. Zudem ist der 1. Mai auch der Gedenktag des heiligen Josef, Ehemann der heiligen Maria. Dieser wurde mit Absicht, als Gegenentwurf zum sozialistischen Tag der Arbeiterbewegung, auf dieses Datum gelegt.

:Philipp Kubu

 

 

Maikönig und Maikönigin

Die Tradition der Maikönigin und des Maikönigs ist ein Brauch aus alten Tagen, der sich meist mit Abwandlungen weiterhin in einigen Gemeinden und Dörfern hält. Ursprünglich wurde dabei das schönste Mädchen des Dorfs an die Junggesellen der Stadt versteigert. Das Geld aus der Versteigerung wurde denjenigen Frauen zur Mitgift in die Ehe mitgegeben, die weniger begehrt waren. Der Maikönig wurde durch eine demokratische Wahl oder durch den höchsten Einsatz bei der Versteigerung ernannt. Das Brauchtum unterschied sich von Dorf zu Dorf, weshalb es unterschiedliche Arten gab, einen Maikönig und eine Maikönigin zu ermitteln. Mitunter wurden auch alle Frauen ab 16 an die Junggesellen des Dorfes versteigert. Mittlerweile versteht sich unter dem Brauchtum häufig nur das Recht des Ersteigernden, mit der Ersteigerten an den Festivitäten rund um den ersten Mai teilnehmen zu können. Die Ernennung wird heutzutage durch Maigesellschaften beziehungsweise -clubs vorgenommen. Diese sind in der Regel von Junggesellen organisiert, Frauen können keine Mitglieder sein. Zur Versteigerung stehen dann alle Frauen, die mit dem Verein verbunden sind oder je nach Größe des Dorfs alle Frauen des Ortes. Diejenige, auf die am meisten geboten wurde, wird ein mit Krepppapier geschmückter Baum vor ihr Haus gestellt. Die Erlöse dienen meist dazu, die Organisation der Maisaison zu bezahlen und gehen nicht an die zur Versteigerung stehenden Frauen.              

:Stefan Moll

 

Maibaum auf dem Dorfplatz

Die vielleicht bekannteste Maibaumtradition ist das Aufstellen auf dem Dorf- oder Stadtplatz. Dies geschieht feierlich am 1. Mai oder am Vorabend. Der Baum selbst ist prächtig geschmückt und wird oft von Schützenvereinen oder ähnlichen Gemeinschaften bewacht und aufgestellt. Meistens ist dies dann auch mit einem Stadtfest wie dem Tanz in den Mai verbunden.

Maibaumklau

Eine weitere wichtige Tradition ist das (versuchte) Maibaumstehlen. Meistens wird der Baum vom Platz des eigenen oder eines benachbarten Dorfes gestohlen. Es gibt keine allgemeingültigen Regeln; stattdessen variieren diese stark je nach Region. Wenn ein Maibaum erfolgreich gestohlen wurde, gibt es Rückgabeverhandlungen und der Baum wird ausgelöst und feierlich zurückgebracht – oder bei Nichterfolg der
Verhandlungen als Trophäe von den Dieb*innen aufgestellt.

Liebesmaien

Besonders – aber nicht nur – im Rheinland ist die Tradition der Liebesmaien weit verbreitet. Dies bedeutet, dass man viele kleinere Maibäume vor Haustüren finden. Liebesmaien sind meist kleine Birken, die mit farbigem Krepppapier geschmückt sind, manchmal mit einem Maiherzen daneben. Obwohl es auch Pärchen gibt, die sich Liebesmaien schenken, ist dies der ursprüngliche Gedanke: Wenn eine Frau einen Maibaum vor ihrer Tür findet, bedeutet dies, dass sie einen heimlichen Verehrer hat. Sie hat dann den gesamten Mai Zeit, herauszufinden, wer dies ist. Am Ende holt er den Maibaum wieder ab und offenbart sich damit – und wenn er Glück hat, wird er zu einem Date eingeladen.

:Charleena Schweda

 

 

 

Unterwegs mit dem Bollerwagen

Man sieht sie nicht nur am Vatertag oder im Zoo, sondern vor allem am 1. Mai: Menschen, die mit Bollerwagen unterwegs sind. Diese sind dabei oft aufwendig und kreativ gestaltet. So sind einige bemalt und tragen den Namen der Truppe, die ihn mit sich führt. Ebenso können die Güter, mit denen sie aufgeladen sind, von Größe zu Größe und Gewicht zu Gewicht variieren: Zapfanlage für Bier sind für einige ein „Muss“, doch auch eine Musikanlage versprüht gute Stimmung.
Nahrung darf natürlich nicht fehlen. Größere Wagen werden sogar mit Treckern gezogen und einige bieten für die müderen und kleineren Wanderer einen Platz zum Schlafen. Vollbeladen geht es dann für die Truppen in die Natur zum Maigang. Diese Bollerwagen-Touren haben eine große Tradition.  Vor allem in ländlicheren Regionen wird dieser Spaziergang aufwendig mit Zwischenstopps, Grillen und Beisammensein organisiert. Es ist keine „Sauftour“ wie viele denken, sondern eigentlich eine schöne Wanderung und ein Fest der Gemeinschaft. Für Studentin Anna-Lena bedeutet dieser Tag viel: „Wandern am 1. Mai mit Freunden gehört genauso wie Schützenfest-Feiern zum festen Bestandteil jedes Jahr, auf den ich nicht verzichten wollen würde. Auch bei der ‚Fahrenden Theke’ gehen Leute unterschiedlichsten Alters mit oder man trifft Gruppen verschiedenen Alters, weshalb es für mich nicht nur eine Tradition ist, die viel Spaß macht, sondern auch Generationen miteinander verbindet.“ Die „Fahrende Theke“ ist ein Wagen mit Bier zum Zapfen (aber auch anderen Getränken) und mit angebrachter Musikanlage. „Besonders bei gutem Wetter macht es richtig viel Spaß, weil man sich unterhält, während man durch die Felder läuft, andere Gruppen trifft und nicht nur an einem Ort ist“, so die Studentin.

:Maike Grabow

Bilder: Symbolbilder

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